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Das Reich Gottes ist nahegekommen
Bildquelle Pixabay

Das Reich Gottes ist nahegekommen

Eva Reuter
Ein Beitrag von

Eva Reuter,

Katholische Dekanatsreferentin, Dekanat Mainz-Stadt, Mainz

Heute vor einem Jahr, am 27. August 2017, habe ich im Mainzer Dom einen ganz besonderen Gottesdienst mitgefeiert: Da ist Peter Kohlgraf zum Bischof geweiht worden, seitdem ist er Bischof von Mainz. Es war ein beeindruckender Gottesdienst mit dem neuen Bischof. Und auch sein Wahlspruch hat mich gleich angesprochen, er lautet: „Das Reich Gottes ist nahegekommen“. Der Satz stammt aus der Bibel. Genauer gesagt aus dem Lukasevangelium (10,9).

Das „nahegekommen“ ist dabei nicht nur in zeitlicher Dimension zu verstehen. Es bedeutet auch: Da kommt mir etwas persönlich, innerlich näher. Bischof Kohlgraf betont immer wieder bei vielen Gelegenheiten den diakonischen Aspekt des Christseins. Das heißt, das Christsein bedeutet nicht nur innerlich glauben, sondern sich jedem Menschen zuwenden.

Peter Kohlgraf selbst schreibt zu seinem Wahlspruch: „Mit dieser Botschaft schickt Jesus seine Jünger in die Dörfer und Städte. Die Botschaft des Evangeliums ist nicht in erster Linie eine Forderung oder ein Gebot, sondern die Zusage, dass Gott den Menschen nahe sein will. Wer dies glauben kann, wird die Welt und die Menschen mit Gottes Augen sehen – er wird Spurensucher der Gegenwart Gottes in dieser Welt.“

Ich hatte in den letzten Monaten ein paar Mal Gelegenheit, Bischof Kohlgraf bei Veranstaltungen zu erleben. Zweimal waren wir direkt im Gespräch, und ich konnte – wie viele andere auch – die gute und für mich tatsächlich auch etwas überraschende Erfahrung machen: Der Bischof hört richtig gut zu! Das Tagesprogramm war lang und gefüllt mit vielen Gesprächen und Begegnungen und trotzdem war der Bischof ganz aufmerksam.

Dafür bin ich dankbar. So ein Bischof, der führt ja auch Gespräche mit Ministerpräsidenten oder spricht vor großen Gruppen: Dass er im einzelnen Gespräch mit mir so präsent war, hat mich richtig gefreut. Und auch von anderen Menschen, die ihm begegnet sind, höre ich: Sie schätzen diese Offenheit und Aufmerksamkeit sehr am neuen Bischof.

Vielleicht freue ich mich deshalb so über die Haltung des Bischofs, weil ich es selbst immer wieder versuche: Offen auf die Menschen zugehen, ihnen aufmerksam zuhören und nicht mit vorgefertigten Antworten meinen, ich wüsste es besser. Darin spiegelt sich für mich auch die Haltung Jesu wieder.

Jesus war besonders gut darin, Menschen zuzuhören. Gerade auch den Menschen, denen sonst viele eher ausgewichen sind: Kranken, Ausländern, Frauen. Jesus macht immer wieder deutlich: Jeder Mensch ist vor Gott wichtig. Jeder Mensch hat eine Geschichte, und jedem Menschen muss man Aufmerksamkeit schenken - besonders wenn er in einer schwierigen Situation ist.

Dort wo Jesus auftritt und das tut, ist das Reich Gottes nahegekommen. In den Momenten, in denen Jesus den Menschen zuhört, sie aufrichtet und heilt, da wird etwas von der Welt sichtbar, wie Gott sie haben will: eine Welt voller Frieden, Liebe und Gerechtigkeit. Die Menschen damals haben das gespürt, davon bin ich überzeugt.

Ich wünsche mir, dass auch heute immer wieder Menschen die Nähe Gottes spüren, wenn sie Christen begegnen. Dass sie erleben: Jemand hört mir zu, jemand nimmt mich an – egal welche Position oder Rolle ich habe. Ich wünsche mir, dass diese Menschen so wie ich darin Spuren von Gottes Nähe entdecken.

Deshalb freue ich mich, dass der Bischof von Mainz, „mein“ Bischof, diesen Wahlspruch hat und ihn auch spürbar werden lässt: „Das Reich Gottes ist nahegekommen.“

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