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Was soll ich für dich tun?
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Was soll ich für dich tun?

Andrea Wöllenstein
Ein Beitrag von

Andrea Wöllenstein,

Pfarrerin im Referat Erwachsenenbildung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Marburg
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„Was kann ich für Sie tun?“ fragt die Ärztin. Die Patientin reicht ihr ein Blatt, auf dem sie ihre Beschwerden aufgeschrieben hat, aber die Ärztin winkt ab. „Ich würde es gerne persönlich von Ihnen hören, so, wie es Ihnen gerade kommt“. Was will ich? Was brauche ich? Was wünsche ich mir jetzt, ganz konkret? Manchmal ist es hilfreich, sich diese Frage zu stellen. „Was willst Du, das ich für dich tun soll?“ fragt auch Jesus Menschen, die ihn um Hilfe bitten. Er fragt das, auch wenn es für die Umstehenden ganz offensichtlich ist. Der Mann ist blind! Die Frau hat eine kranke Tochter! Der Junge ist aussätzig! Warum fragt er noch?  Weil Veränderung damit beginnt, dass ich meinen Wunsch kenne und ihn benenne.

„Beginne jeden Tag damit, einen Herzenswunsch zu formulieren“, empfehlen Desmond Tutu und der Dalai Lama in ihrem gemeinsam verfassten „Buch der Freude“. Aus ihrer je eigenen religiösen Tradition zeigen sie Perspektiven auf, wie mehr Freude und Zufriedenheit in unser Leben kommen kann. „Viele tibetische Mönche“, so der Dalai Lama, „setzen sich jeden Morgen Ziele, um ihren Geist und ihr Herz für den Tag bereit zu machen…“ (S. 331) Jede Handlung ist von einer bewussten oder unbewussten Absicht getragen, sagen sie. Je klarer ich weiß, was ich will, umso besser kann ich mein Leben aktiv gestalten. Das bringt mehr Zufriedenheit, als wenn ich das Gefühl habe, ich werde von einem Ereignis zum anderen getrieben, ohne es selber zu bestimmen.

Der Erzbischof aus Südafrika beginnt seinen Tag mit Bibellesen und Gebet. Wenn wir beten, können wir antworten auf die Frage von Jesus: „Was willst du, das ich dir tun soll?“ Um was will ich bitten? Was ist mein Herzenswunsch? Was wünsche ich mir für mich selbst, für meine Lieben, für die Welt?
Manche Wünsche gehen an Gott und andere an meine eigene Adresse. Wie möchte ich sein? Mit wem werde ich zusammen kommen? Wie möchte ich ihnen begegnen? Auf was kann ich achten, damit unser Zusammensein gelingt? Sich diese Fragen zu stellen, ist ein guter Start in den Tag. Denn unsere innere Ausrichtung beeinflusst das, was wir erleben und was wir fühlen. Manches wird mir gelingen heute. Manche Absichten werde ich korrigieren im Laufe des Tages. Die großen Herzenswünsche werden auch morgen noch da sein, aber vielleicht bin ich ihnen dann näher, oder ich kann besser damit leben, dass sie nicht oder noch nicht in Erfüllung gehen.

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