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Wahlsonntag in Hessen
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Wahlsonntag in Hessen

Prof. Dr. Markus Tomberg
Ein Beitrag von

Prof. Dr. Markus Tomberg,

Professor für Religionspädagogik, Fulda und Marburg
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Alles ist da, was es braucht für ein wirklich großes Fest. Viele haben sich vorbereitet. Menschen sind miteinander ins Gespräch gekommen über das, was ihnen wichtig ist. Für die Party ist eingekauft. Morgen ist Wahltag. Und seit Wochen säumen deshalb bunte Plakate die Straßen, sprechen Menschen über Politik und die Zukunft des Landes. Die Wahlpartys steigen morgen um 18 Uhr. Nur die Festfreude, die ist – möglicherweise – nicht ganz gleich verteilt. Während sich die einen als Sieger feiern lassen, werden sich andere als Verlierer fühlen – unter den Politikern ebenso wie unter den Wählerinnen und Wähler. Einige konnten das große Fest gar nicht mehr erwarten. Sie haben schon gewählt, die Möglichkeit der Briefwahl kann man sogar noch bis morgen Nachmittag nutzen: Alle sollen mitmachen können, wenn die Demokratie ihr großes Fest feiert. Wenn der Alltag in Politik und Wirtschaft unterbrochen wird. Wenn Gelegenheit ist innezuhalten. Wenn entschieden wird, wie es weitergehen soll bei uns in Hessen. Ja, das ist ein Fest, nicht nur wegen der Wahlpartys, und, ja: Ein wenig ist das wie Weihnachten. Denn wenn die Wahlplakate entfernt sind, folgen ihnen nicht nur bald schon Advent und Weihnachtsbeleuchtungen. Der Vergleich reicht viel weiter. Wahlen und Weihnachten unterbrechen den Alltag, geben Anlass zu Besinnung und Neuorientierung. Beide Festtage haben eine Zeit der Vorbereitung. Und: Manche können die Erwartung kaum aushalten. Beim Vergleich von Wahlen mit Weihnachten kann man deshalb einiges lernen: Die Religionen haben schließlich die weit größere Erfahrung mit den Festen und dem Feiern. Die geben der Zeit einen verlässlichen Rhythmus, schaffen Orientierung, schenken Freiräume – Wahlen auch. Und es sind Tage der Erinnerung: An das, was im Leben wirklich zählt, was nicht aufgegeben werden darf, worauf es wirklich ankommt. Gemeinsam haben Wahltage und Weihnachten Vorbereitungszeit und Partystimmung. Aber auch die Mahnung, nicht zu vergessen, was unbedingt wichtig ist. Das Weihnachtsfest weiß darauf sogar eine Antwort: das Wohl aller Menschen. Und das ist mehr als ein Fest wert.

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