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Wächtersbach und die Gewalt der Worte
picture alliance/Andreas Arnold/dpa

Wächtersbach und die Gewalt der Worte

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt
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Moderation: Es war ein Schock in dieser Woche. Ein 55 Jahre alter Mann schießt in Wächtersbach im Main-Kinzig-Kreis aus seinem fahrenden Auto auf einen 26-Jährigen aus Eritrea. Einfach nur, weil sein Opfer eine dunklere Hautfarbe hat. Der junge Mann hat schwer verletzt überlebt. Der Täter hat sich selbst erschossen. Vor der Tat und direkt danach hat er noch in seiner Stammkneipe mit seinen Mordplänen gegen Ausländer geprahlt. „Ein Kneipenspruch“, hat der Wirt gedacht und ihn nicht ernst genommen. Aber der Mann hat seinen Sprüchen eine blutige Tat folgen lassen. Worte können Waffen sein, sagt Pfarrer Martin Vorländer aus Frankfurt im hr1 Zuspruch.

Was jemand gegen andere redet, das kann sein „wie ein Streithammer, Schwert und scharfer Pfeil“, steht in der Bibel (Sprüche 25,18). Worte sind nicht harmlos. Sie sind nicht einfach so dahergeredet.

Worte können Waffen sein. Der Schütze aus Wächtersbach hat keinen Hehl aus seiner Menschenfeindlichkeit gemacht. Er hat gegen Menschen gehetzt, die eine andere Hautfarbe haben oder woanders geboren sind als er. Er hat in seiner Stammkneipe angekündigt, was er ihnen antun will. Er hat erst mit Worten geschossen und dann mit seiner Waffe. Sechsmal auf einen jungen Eritreer auf offener Straße.

Manche Leute befeuern noch im Nachhinein seine Tat mit menschenfeindlichen Kommentaren und Drohungen im Netz. Mir graut es bei solchen Posts. Wie geht es erst Menschen mit dunkler Hautfarbe, wenn sie so etwas lesen? Oder wenn jemand abfällig über sie spricht?

Worte sind nicht harmlos. Sie haben Gewalt. Aber ihre Macht kann man auch gegen den Hass einsetzen. In Wächtersbach haben sich am Tag nach dem Mordversuch rund 400 Leute am Tatort zusammengefunden zu einer Mahnwache gegen Rassismus.

Unter anderen hat auch die evangelische Pfarrerin von Wächtersbach gesprochen. Sie hat gesagt: „Im Grunde wissen wir es doch schon aus dem Alten Testament: Man tötet keinen Menschen. Nicht mit Taten - und auch nicht mit Worten. Egal, wo er geboren wurde, woher er kommt. Egal, wo er wohnt.“ Und die Pfarrerin von Wächtersbach hat gesagt: „Ich habe keine Angst. Weil wir hier zusammenstehen.“

Die Macht der Worte kann man auch zum Guten verwenden. Reden und handeln wir - für unsere Mitmenschen!

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