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Vom Leuchten des Unscheinbaren
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Vom Leuchten des Unscheinbaren

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Vier Jahre, älter ist der Kleine nicht. Der Junge steht auf einem Baumstumpf, wackelt ein bisschen, hält aber das Gleichgewicht. Und platzt vor Stolz. Jedenfalls ruft er seine Eltern. Die hören ihr Kind und drehen sich um. Das Kind sagt: Guckt mal, was ich für eine coole Show mache. Die Eltern sagen nichts. Da ruft er nochmal: Guckt mal, was ich für eine coole Show mache. Ja, sagen die Eltern. Und: Prima. Das klingt nicht so begeistert, wie der Junge hofft. Er springt vom Baumstumpf und geht zu den Eltern. Zu wenig Beifall. Seine Show ist aus.

Er hat aber Worte gesagt, auf die es heute ankommt: cool; und: Show. Mit vier Jahren ist er im Trend. Vieles ist cool, abgeklärt. Zugleich Show oder große Show. Viele leben nicht mehr einfach so, sondern wie auf einer Bühne. Andere arbeiten nicht nur sorgfältig, sondern gleich selbstverliebt. Eben cool. Und aus Sorge, ob es andere auch merken, weisen sie selbst darauf hin: Schaut, wie gut ich bin. Ich lebe nicht nur und arbeite; ich mache auch eine coole Show. Sich gut wissen reicht nicht. Es muss bemerkt werden. Leben allein genügt nicht. Es muss auch eine gute Show sein. Eigentlich schade, dass alles immer lauter und glitzernder sein soll. Als zähle das Leise nicht. Das einfache, kleine Leben. Das unauffällige. 

Vermutlich machen wir uns etwas vor. Coole Show hin oder her, mir ist Anständigkeit lieber. Und stille Würde. Man muss nicht noch cool sein, wenn man gut ist. Gott sieht es sowieso. Es genügt, dass der Himmel davon weiß. Wenn mir sein Vorhang aufgeht, werden wir Augen machen, wie das Unscheinbare leuchtet. Also Fürsorge; stille Liebe. Und zwar besonders hell.

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