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Sonntags verrückt
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Sonntags verrückt

Dr. Ulf Häbel
Ein Beitrag von

Dr. Ulf Häbel,

Evangelischer Pfarrer, Laubach-Freienseen
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„Ich gehe heute mal in die Kirche”, hat ein Mann gesagt, als er gerade das Sonntagmorgenfrühstück vorbereitet. „Bist du verrückt?” So hat seine Frau reagiert.
Statistisch gesehen hat sie Recht. Zum üblichen Sonntagsverhalten der Deutschen gehört der Kirchgang nicht. Da liegt man eher lange im Bett, geht Brunchen oder macht einen Ausflug. In die Kirche gehen ist also tatsächlich verrückt im Sinne von „herausgerückt aus dem üblichen Verhalten“.
Trotzdem machen das viele Leute. Heute finden überall in Deutschland Gottesdienste statt – in meinem Dorf im Vogelsberg genauso wie in Frankfurt und anderswo. Wenn man alle Gottesdienstbesucher zusammenzählt, sind das mehr als alle Zuschauer bei den Fußball-Bundesligaspielen gestern.
Was erwartet die Leute, die heute in die Kirche gehen? Ich bin Pfarrer im Ruhestand. Über vierzig Jahre habe ich Gottesdienste gehalten und mache das gelegentlich immer noch. Wer heute in die Kirche geht, würde erst einmal ein „Herzlich willkommen!“ hören. Die Orgel spielt. Die ganze Kirche ist voll Musik, einfach schön. Man erlebt, was es sonst meistens nur im Fußballstadion gibt: Menschen, die gemeinsam singen.
Und wer heute in die Kirche geht, hört einen Zuspruch in der Predigt der Pfarrerin oder des Pfarrers. Zum Beispiel: „Geh deinen Weg zuversichtlich und getrost, denn Gott geht mit dir, wohin du auch gehst.”
Es ist also gar nicht so verrückt, sonntags in die Kirche zu gehen.

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