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Potential zum Heiligwerden
Foto: pixabay / S. Hermann & F. Richter

Potential zum Heiligwerden

Uwe Groß
Ein Beitrag von

Uwe Groß,

Katholischer Diakon, Pfarrei St. Peter und Paul, Wiesbaden
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Morgen ist mein Namenstag. Eigentlich übermorgen. Aber wenn es keinen 29. Februar gibt, fällt mein Namenstag auf den 28.: der Gedenktag des heiligen Oswald von York. Ich heiße ja Uwe und der Name Oswald ist schon anders als Uwe. Aber unser alter Dorfpfarrer, der mich getauft hat und der auch ein katholisches Lexikon der Namen hatte, hat mir das bestätigt: Der Namenspatron von Uwe ist der heilige Oswald.

Kein heiliger Uwe?

Als Kind kam mir das schon komisch vor, und da habe ich unserem Pastor im Ort gesagt: Schade eigentlich, dass es keinen heiligen Uwe gibt, und dann hat er nur mit einem Augenzwinkern geantwortet: „Vielleicht gibt’s ja mal einen.“ Damals habe ich nur aus Verlegenheit gelacht, aber ich habe auch immer mal wieder rüber nachgedacht.

Berühmte Heilige

Ein Heiliger werden. Richtig vornehmen kann man sich sowas ja nicht. Die Heiligen, die ich kenne: der heilige Franziskus, der heilige Martin, der heilige Nikolaus, das waren einfach Menschen, die ein Herz für Gott und für andere Menschen hatten. Franziskus hat den Leprakranken umarmt, Martin mit seinem Schwert den Mantel geteilt, und Nikolaus hat Geld dahin gebracht, wo große Not war. Daran erinnert noch heute der Nikolaus - Abend.

Heiliger Oswald von York

Ja und was hat der heilige Oswald eigentlich gemacht? Er kam wohl aus Dänemark, wurde Priester in England und schließlich Mönch in einem Benediktinerkloster in Frankreich, bis man ihn zum Bischof von Worcester und Erzbischof von York in Nordengland berief, wo er dann Klöster gegründet hat und sich besonders um Arme gekümmert hat. Eine Legende erzählt, er habe täglich Armen die Füße gewaschen. Damit wollte er klarmachen, dass man als Geistlicher zu dienen hat.

Vorbilder für andere

Die Heiligen haben es ganz sicher nicht angestrebt, als Heilige in der Kirche verehrt zu werden. Sie haben einfach ihr Leben in den Dienst ihrer Mitmenschen gestellt und das Notwendige – was die Not der Menschen wendete – getan. Später, als sie längst tot waren, hat die Kirche sie heiliggesprochen und damit den Menschen Vorbilder gegeben, an denen sie sich für ihr eignes Leben orientieren konnten.

"Ich will nicht klein von mir denken!"

Mich haben von Kindheit an die Heiligenlegenden berührt: Georg, der den Drachen tötet – das Böse, die heilige Elisabeth, die Brot mit den Armen teilt, Mutter Teresa, die sich in Kalkutta um die Sterbenden auf der Straße gekümmert hat. Ja sicher, diese Heiligen waren damals weit weg von mir. So gut kann ich doch gar nicht sein, oder? Heute denke ich: Ich will nicht so klein von mir denken, wie ich es als Kind getan habe. Ich kann viel tun, was anderen guttut, gerade auch jetzt in der Corona- Zeit:

Dasein für andere

Ich kann Menschen anrufen und ihnen sagen: Ihr seid nicht allein. Ich kann meinem Kind zuhause helfen, mit der Schule fertig zu werden im Homeschooling. Ich kann über Videoschaltungen mit Menschen in Kontakt treten und auch so ein Gefühl von Gemeinschaft schaffen, ich kann für andere einkaufen, die sich nicht mehr raustrauen. Ich kann Menschen schreiben – einen Brief, eine Karte, eine Mail, eine Whatsapp…. Mein Namensheiliger erinnert mich dran: Ich habe viel Potential – vielleicht sogar zum Heiligen… 

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