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Pay-back
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Pay-back

Eva Reuter
Ein Beitrag von

Eva Reuter,

Katholische Pastoralreferentin, Citypastoral im ökumenischen Kirchenladen Kirche & Co., Darmstadt
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„Haben Sie eine Payback-Karte?“ werde ich bei fast jedem Einkauf gefragt. Ja, habe ich. Aber neulich bin ich über den doppelten Wortsinn gestolpert: „Payback“ = „zurückzahlen“. Was wäre, wenn ich nicht nur einen Teil meines Geldes zurückgezahlt bekäme? Wenn mir auch mein Verhalten heimgezahlt würde? Zum Beispiel mein sarkastischer Kommentar - ich bin eigentlich froh, wenn niemand darauf eingeht.

Ich habe mich gefragt: Warum sammeln viele Menschen so gerne Payback-Punkte, Rabatt-Märkchen, Stempel oder sonst irgendetwas in dieser Art? Was gewinnt man dadurch? Ich muss sagen, ich habe auch so eine Karte, warum weiß ich eigentlich gar nicht so genau. An dem Set Geschirrhandtücher und ähnlichen Geschenken habe ich eigentlich kein wirkliches Interesse.

Vielleicht ist es das Gefühl, dass ich etwas geschenkt bekomme: Der 11. Haarschnitt kostet nichts. Ich bekomme eine Belohnung für meine Treue zum Frisör. Ich möchte das Gute mit Gutem vergolten bekommen. Das spornt an und macht glücklich.
Aber das Böse, will ich nicht zurückgezahlt bekommen. Nicht Auge um Auge, Zahn um Zahn. Da hätte ich es doch gerne mit Vergebung und Verzeihung.

Jetzt in der Zeit vor Ostern schauen viele Christen noch mal etwas genauer auf ihre Handlungen im Alltag. Ich habe mir für die Fastenzeit vorgenommen: Ich will versuchen, weniger zurückzuzahlen und aufzurechnen, sondern bewusst Dinge tun, die mir niemand zurückzahlen kann: Ich verschenke etwas an jemanden, der mir sicher kein Gegengeschenk macht. Ich kümmere mich um jemanden, der sich nicht revanchieren kann.

Und wenn das geklappt hat, dann die nächste Stufe: Ich bringe dem unfreundlichen Kollegen eine Tasse Kaffee aus der Küche mit. Ich räume ungefragt die Werkzeuge weg, die ich gar nicht benutzt habe. Und ich erwarte dafür kein Danke und keine Gegenleistung! Gar nicht so einfach, habe ich festgestellt. Ich hätte doch gerne ein Anerkennungs-Sternchen oder einen Paybackpunkt! Dann kann ich mir was schenken lassen...

Aber schon Jesus hat gesagt: Wenn ich nur denen Gutes tue, die mir etwas zurückgeben können, dann habe ich nichts weiter zu erwarten - höchstens deren Dank. (Lk 6, 33) Wenn ich aber denen Gutes tue, die mir nichts zurückgeben können oder wollen, dann wird mir das hoch angerechnet im Himmel. – Okay, wenn ich also Gutes nur tue, damit meine Bilanz im Himmel gut aussieht - das wäre dann sozusagen eine himmlische Payback-Sammelstelle - dann läuft auch wieder etwas schief.

Dagegen hat sich schon Martin Luther gewehrt. Er hat festgehalten: Ein Mensch kann sich nicht durch seine guten Taten rechtfertigen. Es liegt an der Gnade Gottes, wie ich in den Himmel komme. Denn bei allen guten Taten gibt es noch genug, was in meinem Leben nicht so optimal läuft.

Aber warum sollte ich dann Gutes tun, rücksichtsvoll mit der Schöpfung und meinen Mitmenschen umgehen? - Für mich liegt der Sinn erstens darin, dass ich denke: Wenn alle gut handeln wird die Welt grundsätzlich besser. Ganz unabhängig von der Sammlung auf einer himmlischen Bonus-Card. Zweitens bedeutet es für mich als Christin schon auch, dass ich versuche, mein Leben immer mehr danach auszurichten, was Jesus gesagt und getan hat. Und drittens tut es einfach gut, wenn man als aufmerksamer und freundlicher Mitmensch durch den Tag geht. Daran arbeite ich - jeden Tag auf‘s Neue!

 

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