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Not lehrt beten
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Not lehrt beten

Ein Beitrag von

Janine Knoop-Bauer,

Evangelische Pfarrerin, Darmstadt

"Not lehrt beten!" Ich kenne das Sprichwort von meiner Großmutter. Manchmal sagte sie das zu mir. Sie hat die Erfahrung gemacht: Es gibt Tage, da ist die Not so groß, dass man sich Gott zuwendet und um Hilfe bittet. Menschen, die so reden, haben Not erlitten und im Gebet Erleichterung erfahren. Diese Erfahrung wollen sie teilen und damit etwas Wichtiges weitergeben. Das kann ich verstehen. Das Sprichwort finde ich aber trotzdem nicht verallgemeinerbar. Ich finde, die Not ist keine besonders attraktive Lehrerin. Wenn sie die einzige ist, die mich das Beten lehren kann, dann möchte ich es lieber nicht lernen.

Besser gefällt mir dagegen der Rat eines indischen Taxifahrers, den ich in einem Kino-Film gesehen habe. Er hat den etwas seltsamen englischen Titel: „happythankyoumoreplease“ Im Film erfährt man, wie dieser Taxifahrer mit dem Göttlichen kommuniziert. Einmal erzählt er einem seiner Fahrgäste: Immer, wenn etwas in seinem Leben schön ist und gelingt, betet er schlicht: Happy! Thankyou! More please. Übersetzt könnte man sagen: Ich bin glücklich! Danke! Bitte mehr davon!

Mich hat diese Haltung zum Göttlichen sehr berührt. Ich finde den Gedanken schön, mit Gott zu sprechen, wenn ich mich freue. Die Freude ist doch eine sehr viel sympathischere Lehrmeisterin für das Beten als die Not. Wenn ich mich freue, fühle ich mich Gott ganz nah. Das liegt daran, dass ich mich dann ganz öffne. Dann lege ich für einen Moment meine Skepsis der Welt gegenüber ab und erwarte nur Gutes. Ich glaube: Das ist eine wichtige Voraussetzung, um mit Gott in Kontakt zu treten. Gott vertrauen heißt ja auch: Gutes von ihm erwarten. Zu hoffen, Er meint es gut mit mir. Wenn ich mich freue, fällt mir das leichter als in Momenten, in denen ich mich ärgere oder leide.

In einem Psalm der Bibel heißt es: "Du tust mir kund den Weg zum Leben; vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu Deiner Rechten ewiglich." Auch dieser Beter geht davon aus, die Freude ihren Platz ganz nah bei Gott. Für ihn markiert sie sogar den Weg zum Leben. Die Erfahrung meiner Großmutter ist trotzdem richtig. Es ist doch gut, sie und mit ihr viele andere Menschen haben erfahren, Beten hilft in der Not. Es ist tröstlich zu wissen, das Gespräch mit Gott funktioniert auch dann. Üben und lernen allerdings kann man es in der Freude besser. Ich wünsche mir und Ihnen ganz viel davon! Happy! Thankyou! More please! Ich bin glücklich! Danke! Bitte mehr davon!

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