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Mit leichtem Gepäck

Mit leichtem Gepäck

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt

Ich reise gerne, am liebsten mit leichten Gepäck. Darum hat mich wohl auch das Lied der Band Silbermond so angesprochen, gleich als ich es zum ersten Mal im Radio gehört habe. Das Bild vom leichten Gepäck hat in mir eine Sehnsucht angesprochen, oder ist es noch mehr?

Wenn Stephanie Kloß, die Sängerin von Silbermond, das Lied singt, lächelt sie entspannt. Sie wirkt locker, erleichtert, ganz einverstanden mit dem, was sie singt. Die Musik klingt nicht nach Schrankkoffer, eher nach einer halbvollen Reisetasche, eben mal locker über die Schulter geworfen. Drin nur das Nötigste. Ja, so eine Reise mit leichtem Gepäck, das ist auch was für mich, wie es in dem Song heißt: „Eines Tages fällt dir auf, dass du 99% nicht brauchst. Du nimmst all den Ballast und schmeißt ihn weg, denn es reist sich besser, mit leichtem Gepäck.“

Genauer hingehört geht es in dem Lied nicht nur um eine Urlaubsreise, sondern um eine Grundhaltung zum ganzen Leben: Die volle Wohnung, die Stapel überflüssiger Klamotten, am besten weg damit, meint die Sängerin: „Ab heut nur noch die wichtigen Dinge“. „Es ist wenig was du wirklich brauchst.“

Wenn ich mit leichtem Gepäck unterwegs bin, auf einer Reise oder im Leben, dann hab ich aufgehört, so viel anzusammeln, wie ich nur kriegen kann. Ich hab angefangen mich zu fragen, was und wieviel ich wirklich brauche. Ich brauche auch Gottvertrauen im leichten Gepäck und Vertrauen auf andere Menschen.

Wenn ich mit leichtem Gepäck unterwegs bin, hab ich mich von dem Gedanken verabschiedet, auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Ich hab innerlich darin eingewilligt, dass ich auf Andere angewiesen sein werde, auf ihre Hilfe, ihre Gesellschaft. So wie die ersten Christen, die Gott im Vater Unser um das Nötige bitten: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Gib uns, was wir brauchen, Tag für Tag.“ (Lk 11,3) Ich glaube, die Menschen, die mit leichtem Gepäck reisen, erleben mehr. Mit sich, mit anderen und auch mit Gott.

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