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Jammern übers Urlaubsende
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Jammern übers Urlaubsende

Beate Hirt
Ein Beitrag von

Beate Hirt,

Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr, Frankfurt
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Heute ist mir ein wenig nach Jammern zumute. Letzter Urlaubstag, nach drei Wochen freier Zeit. Womöglich wird es einigen Schülerinnen und Schülern und auch den Eltern heut ähnlich gehen. Am Montag geht doch tatsächlich schon wieder die Schule los! Wie kann es sein, dass der Urlaub schon wieder rum ist? Das war doch viel zu kurz. Und das Wetter war oft zu kalt oder zu heiß, je nachdem, wo man war. Ich hab längst nicht das erledigt, was ich im Urlaub eigentlich erledigen wollte. Und perfekt erholt bin ich auch nicht. Och nö, nicht schon wieder lernen und arbeiten!

Irgendwie immer zu kurz

Ein bisschen schlechtes Gewissen hab ich beim Jammern aber schon auch. Denn so ganz schlecht geht es mir ja nicht. Ich hatte zum Beispiel immerhin Urlaub. Und natürlich gibt es Menschen, denen es schlechter geht. Deutlich schlechter. Trotzdem: Jammern tut irgendwie auch gut. Sich das Genervtsein oder den Frust von der Seele reden.

Jammere ich auf „hohem Niveau“?

Das haben in diesem Sommer übrigens auch etliche Hessen entdeckt im so genannten Jammermobil. Ich hab davon von einer Freundin gehört und mir den Bericht in der Hessenschau angeschaut, das fand ich faszinierend. „Ist doch gut, wenn man den Frust nicht in sich reinfrisst, sondern auch mal jammern kann“, sagt da ein Besucher und lacht ganz fröhlich dazu. Zwei Künstlerinnen sind mit ihrem „Jammermobil“ in Wetzlar, Darmstadt und anderswo in Hessen unterwegs gewesen und haben zum Frustabbau eingeladen. Und vielen hat’s gefallen und geholfen.

Zu Gott dürfen wir jammern und klagen

In der Bibel wird übrigens auch gar nicht so selten gejammert und geklagt. Fromme Menschen sind nicht automatisch glücklich, zufrieden und dankbar. Als Gott zum Beispiel das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat und die Israeliten auf dem Weg ins Gelobte Land durch die Wüste ziehen, da fangen sie an zu murren und zu jammern: „Wären wir doch im Land Ägypten gestorben, als wir an den Fleischtöpfen saßen und Brot genug zu essen hatten!“ Gott sagt dann nicht etwa: Ihr undankbares Volk! Ich hab euch befreit aus dem Sklavenhaus und jetzt jammert ihr hier rum? Sondern Gott spricht: „Ich habe das Murren der Israeliten gehört“ (Ex 16,12). Und er gibt ihnen, was sie wollen und brauchen: Fleisch zu essen, Brot vom Himmel, das so genannte Manna übrigens. Gott hört die Not der Menschen und akzeptiert es, dass sie murren und klagen.

Jammern darf sein bei Dingen, die ich nicht selbst ändern kann

Natürlich: Zu viel jammern ist nicht immer gut. Wenn etwas richtig nervt, das ich ändern kann: Dann sollte ich weniger nörgeln, sondern die Dinge anpacken und zum Besseren wenden. Ein gutes Stück hab ich es auch selbst in der Hand, wie sich mein Leben anfühlt. Andererseits gibt es da eben auch Zwänge und Dinge, die sich schlecht vermeiden lassen. Der Urlaub zum Beispiel ist eben doch irgendwann einmal vorbei. Und ich finde: Ein bisschen jammern darf ich dann schon.

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