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Ich krieg die Krise
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Ich krieg die Krise

Kurt Grützner
Ein Beitrag von

Kurt Grützner,

Landespolizeipfarrer der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel
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„Ich krieg die Krise“ höre ich Menschen immer häufiger sagen. Und ich weiß immer nicht so recht, wie ich darauf antworten soll.

Letztens habe ich es mal so versucht: „Na, dann sei froh“. Mein krisengebeuteltes Gegenüber schaut mich verdutzt an und fragt: „Was soll das denn heißen?“

Das soll heißen: Krisen durchzustehen ist die einmalige Möglichkeit Altes zu lassen und Neues zu entdecken. Mitten in der Krise sehen Menschen das kaum. Der Schmerz sieht Loslassen nur als Verlieren. Ein Gewinn scheint völlig unmöglich.

Ganz intensiv erlebe ich das mit Paaren, die vor dem Scheiterhaufen ihrer Beziehung stehen. Und das verstehe ich: „Eine Trennung ist wie ein kleiner Tod!“ Aber: es gibt ein Leben nach dem Tod, auch nach dem Tod einer Beziehung. So rede ich mit den Menschen, die weinen, weil ihre Beziehung gescheitert ist. Wenn die erste Trauerphase vorbei ist, weitet sich der Blick. Ich erkenne Neues und sehe klarer: wie die Beziehung war, wie der Partner/die Partnerin war. Und vor allem: ich erkenne Neues über mich selbst.

Und das ist ein Schatz: Neues über mich zu entdecken. Das ist nicht immer angenehm, aber es bringt mich weiter, lässt mich reifen. „Jede Krise hält ein Goldstück verborgen.“ Das zu finden ist eine große Chance. Interessant, dass im Chinesischen „Krise“ und „Chance“ in einem Schriftzeichen vereint sind.

Ich wünsche niemandem eine Krise. Aber wenn sie doch kommt, wünsche ich jeder und jedem, dass sie sie nutzen, das Goldstück zu finden, was darin verborgen ist. Ich kann Neues über mich, über die Welt und über Gott erfahren.

In einem neueren Kirchenlied heißt es: „Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt. Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen, das Land ist hell und weit.“

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