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Herzensworte
Bild: Pixabay

Herzensworte

Ein Beitrag von

Sabine Müller-Langsdorf,

Evangelische Pfarrerin, Zentrum Oekumene, Frankfurt
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Das Fest war schön. Nun ist es vorbei. Die Kerzen am Baum sind heruntergebrannt. Alle Besuche sind gemacht, die Verwandten und Freunde bewirtet. Im Haus kehrt Ruhe ein. Die Krippenlandschaft steht noch da. Mit Maria, Josef, den Hirten, den Tieren, den Engeln und dem Kind in der Krippe. Eine tolle Bühne hat der Evangelist Lukas mit dieser Erzählung der Geburt Jesu geschaffen. Mit vielen Wundern und großen Gefühlen. Schon allein die Geburt eines Kindes: Freude, Schmerz, Verwundbarkeit, Dank. Und dann die Sache mit dem offenen Himmel, dem Glanz und Gloria der himmlischen Heerscharen. Die seltsamen Worte des Engels: „Fürchtet euch nicht. Euch ist heute der Heiland geboren. Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.“

Nach dem Fest hält Maria einen Moment inne

Am Ende der Weihnachtsgeschichte, als das Fest vorbei ist, heißt es: „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ Maria, die Mutter Jesu, hält nach dem Fest für einen Moment inne. Sie nimmt sich die Zeit, das Unfassbare zu sortieren. Die Geburt eines Kindes. Im Stall. Die fremden Menschen, die da kamen und staunten. Sie erinnert die Worte, die Gefühle. Ordnet sie, in sich. Gibt dem Erlebten einen Rahmen und ordnet so das Chaos: „Fürchte dich nicht! Große Freude! Friede auf Erden!“

Maria behält die Worte und bewegt sie im Herzen. Was ihr Herz erreicht, bleibt bei Maria. Geht mit ihr weiter ins Leben. Maria begleitet den Weg Jesu. Sie erlebt das erste Wunder mit, das er tut. Sie hört seine Reden. Manchmal ist ihr dieser Sohn fremd und irritiert sie. Am Ende seines Lebens steht sie unterm Kreuz und weint. Nach der Auferstehung Jesu wird von Maria erzählt, dass sie zur ersten Gemeinde in Jerusalem gehörte. Ein langer Weg. Vielleicht haben die Weihnachts-Worte im Herzen ihr dafür Kraft gegeben. „Fürchte dich nicht! Große Freude! Friede auf Erden!“

Zeitnehmen für das, was mir begegnet ist

Ich möchte es in diesen Tagen nach dem Fest, in der Zeit „zwischen den Jahren“ machen wie Maria: mir Zeit nehmen für das, was mir begegnet ist in diesem Jahr. Auf meiner inneren Bühne noch einmal die Erlebnisse aufrufen, die mich staunen ließen. Vieles habe ich erlebt. Schönes, Beglückendes und Trauriges. Manch eine Frage ist offen geblieben, und einiges war mir fremd oder zu viel. Ich will innehalten und ein wenig sortieren, was ich behalten mag und was auch gehen kann am Ende des Jahres. Und ich will auf die Worte hören, die mein Herz bewegt haben. Die Menschen vergegenwärtigen, die mir Mut gemacht haben so wie die Engel in der Weihnachtsgeschichte mit ihrem „Fürchte dich nicht“. Denn es sind die Herzensworte, die weiter tragen. Mit mir gehen. Ins neue Jahr.  

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