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Gott und Geld
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Gott und Geld

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt

Gott und Geld. Passt das zusammen? Bei Jesus schon. Er hat oft in Bildern und Gleichnissen etwas über Gott und die Menschen klarmachen wollen. Und er hat dabei das Geld – und wie man es einsetzt – nicht ausgelassen.

Ich denke an ein Gleichnis von Jesus, wenn ich diese Woche erfahre: Bund, Länder, Gemeinden und Sozialkassen haben im vergangenen Jahr einen Rekordüberschuss eingenommen. Neunzehn-Komma-Vier Milliarden Euro mehr, als sie ausgegeben haben. Das ist der höchste Überschuss seit der Wiedervereinigung. Deutschland ist auf Platz fünf der reichsten Länder der Erde.

Was macht man, wenn einem so viel anvertraut ist? Jesus erzählt von drei Knechten. Jedem vertraut ihr Herr eine bestimmte Summe Geld an. Zwei handeln damit und verdoppeln den Betrag. Aber der dritte hat Angst vor dem strengen Chef. Er vergräbt das Geld lieber und gibt es hinterher eins zu eins zurück. Doch genau darüber wird sein Herr stinkwütend. “Du hättest was draus machen sollen”, stellt er den Knecht in den Senkel. (Matthäus 25, 14-30)

Ich vermute, Jesus geht es nicht darum, Menschen anzuklagen, die Sorgen und Ängste haben. Trotzdem wirbt Jesus für eine andere Sicht. Schau, was für ein Vermögen du hast. Und Vermögen meint mehr als Geld. Es meint Fähigkeiten, Begabungen, Schaffenskraft. Und weiter: Fühl dich nicht gleich überfordert, sondern setz dein Vermögen ein. Mach was Gutes daraus.

Jesus geht es um die Verantwortung, die ich als Einzelner vor Gott trage. Das gilt umso mehr für unser Land. So ein Rekordüberschuss in den öffentlichen Kassen verpflichtet.

Sollen die Neunzehn-Komma-Vier Milliarden Euro in den Schuldenabbau fließen oder damit Brücken und Straßen saniert werden? Ist die Integration der Flüchtlinge am dringendsten? Oder sollen wir mit dem Geld die Armut bekämpfen, unter der besonders viele Kinder und Rentner leiden, trotz des Reichtums unseres Landes? In einer Demokratie wird über diese Entscheidungen gestritten, zu Recht. Vergraben oder Einmauern sind auf jeden Fall keine gute Ideen. Vermögen verpflichtet. Machen wir was Gutes daraus!

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