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Gebote für die Freiheit

Gebote für die Freiheit

Pia Arnold-Rammé
Ein Beitrag von

Pia Arnold-Rammé,

Katholische Pastoralreferentin, Referentin für Sozialpastoral, Frankfurt
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Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht stehlen – nur drei, der zehn Gebote. Viele kennen die zehn Gebote, haben sie vielleicht sogar schon mal auswendig gelernt. Für viele sind sie die moralische Grundlage des Judentums und des Christentums, ja sogar die Grundlage, aus der heraus die Menschenrechte entstanden sind.

Und diese Gebote  sind ja auch schon ganz alt, über 2000 Jahre.  Interessant ist, in welcher Situation diese Gebote entstanden sind. Das Volk Israel hat damals als Sklaven in Ägypten gelebt, unter menschenunwürdigen Bedingungen. Mit Gottes Hilfe und unter der Führung von Moses konnten sie sich befreien. Der Weg in die Freiheit und in ein besseres Leben war aber nicht einfach, es ging durch die Wüste, es gab kaum etwas zu trinken und zu essen. Alle waren unzufrieden. Sehnten sich zurück, in die Unfreiheit, da gab es wenigstens Essen. Irgendwie hatte sich das Volk alles anders vorgestellt, dieses neue Leben. Nichts war geregelt, alles war eher chaotisch. Was tun? Es war klar: Dieses neue Leben in Freiheit, dieses bessere Leben, in einem schönen, neuen Land, das muss gestaltet werden, das fällt nicht so vom Himmel. Und da kommt Moses mit den zehn Geboten vom Berg Sinai zurück, so erzählt es die Bibel. Da spricht Gott: Weil ich dich aus der Sklaverei befreit habe, weil du nun in Freiheit lebst, weil du ein besseres Leben willst, wirst du nicht töten, nicht stehlen, nicht ehebrechen und so weiter. Das sind keine strengen Anweisungen, sondern das sind Vorstellungen und Regeln, die sich sozusagen von selbst erschließen. Ich sehe es ein, dass es für ein gutes Leben wichtig ist, solche Regeln zu beachten. Und weil Gott den Weg mit mir geht, kann ich so leben: ohne Mord und Totschlag, ohne andere zu bestehlen und zu belügen. Ein friedliches und gerechtes Zusammenleben der Menschen ist da vor Augen.

Ich finde, das ist gerade auch heute aktuell: gemeinsame Regeln und Vorschriften sind wichtig für das Zusammenleben. Das funktioniert dann am besten, wenn alle die Regeln auch für gut und wichtig halten, wenn sie sich sozusagen freiwillig, ohne Druck dran halten. Das ist vielleicht utopisch, fängt aber schon zu Hause an, in dem ich z.B. meinen Kindern nicht nur etwas verbiete, sondern die Regeln auch erklären. So wie die zehn Gebote eben auch keine einfachen Handlungsanweisungen sind, sondern eigentlich eine Art Selbstverpflichtung freier und glücklicher Menschen.

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