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Feel Glück
Bildquelle: Alexas Fotos/Pixabay

Feel Glück

Andrea Wöllenstein
Ein Beitrag von

Andrea Wöllenstein,

Pfarrerin im Referat Erwachsenenbildung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Marburg
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Feel Glück steht auf dem Untersetzer, den mir eine Freundin zum Geburtstag geschenkt hat.

Feel allerdings nicht „v-i-e-l“ geschrieben, sondern „F-e-e-l“, feel, das englische Wort für  fühlen. Sie wünscht mir nicht, dass ich viel Glück habe, sondern dass ich es fühlen kann, das Glück.
Dieses deutsch-englische Wortspiel lässt mich schmunzeln und macht mich nachdenklich zugleich. Zeigt es doch, was wesentlich ist beim Glück. Ob ich viel Glück habe, ist Glückssache. Mal habe ich mehr, mal weniger davon. Oft liegt es nicht in meiner Hand. Aber ob ich Glück fühle, dazu kann ich selber etwas beitragen. Denn meine Gefühle werden von meinen Gedanken beeinflusst. Und je nachdem, welchen Gedanken ich Raum gebe, habe ich positive oder negative Gefühle. Glück fühlen, heißt für mich: Die Glücksmomente im Alltag wahrnehmen und ihnen Gewicht geben. In dem, was alltäglich ist, den Grund zu Freude entdecken – und sie fühlen. Dem Glück in mir Raum geben.

Ein Meister auf diesem Gebiet ist der Liederdichter Paul Gerhardt. Heute ist sein Todestag. Vor 343 Jahren am 27. Mai 1676 ist er in Lübben/Spreewald gestorben. 26 Lieder in unserem Evangelischen Gesangbuch sind aus seiner Feder! Er musste in seinem Leben viele Schicksalsschläge verkraften. Aber es ist ihm immer wieder gelungen, dem Hellen und Schönen Raum zu geben. Zum Beispiel in seinem bekannten Sommerlied: Geh aus mein Herz und suche Freud! Er macht sich auf, das Glück und die Freude zu suchen. Im Duft der Blüten, im Gesang der Vögel, im Summen der Bienen, im Rauschen des Bächleins. Die Schöpfung, so dichtet er, „erweckt mir alle Sinne“, lässt ihn mitsingen und jubeln.

Glück ist nicht nur Glückssache, sondern auch eine Frage der Entscheidung. Ich kann mich dafür entscheiden, was ich heute wahrnehme, und wie ich das interpretiere, was ich erlebe. Wie ich dem Resonanz gebe mit meinen Gedanken - und mit meinen Gefühlen. Ob ich das Glück fühle, dass ich aufstehen und zur Arbeit gehen kann. Oder ob ich vor allem das Bedauern spüre, dass das Wochenende schon wieder vorbei ist. Für das Glück kann ich mich entscheiden. Glück ist nicht nur Glückssache. Daran werde ich jetzt immer neu erinnert, wenn ich meine Tasse auf den Untersetzer stelle: „Feel Glück!“ – ein gutes Motto auch für die neue Woche .

 

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