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Ein echter Verzicht: Von Beileidsbekundungen bitten wir Abstand zu nehmen!

Ein echter Verzicht: Von Beileidsbekundungen bitten wir Abstand zu nehmen!

Verena Maria Kitz
Ein Beitrag von

Verena Maria Kitz,

Katholische Pastoralreferentin in St. Michael, Zentrum für Trauerseelsorge, Frankfurt
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Es war bei der ersten Beerdigung, die ich seit dem massiven Ausbruch der Corona-Epidemie gehalten habe. Der Verstorbene war ein älterer Herr und ich hatte mit seinen Angehörigen vorher überlegt: Wie können wir das machen, dass nicht jemand in Gefahr kommt, sich bei dieser Beerdigung eventuell anzustecken? Es waren ja auch viele ältere Menschen bei den Trauergästen. Jemand aus der Familie hatte gemeint: „Wie steht das oft unter Traueranzeigen? ‚Von Beileidsbekundungen am Grab bitten wir Abstand zu nehmen!‘“

Darum ging es ja: Um die Bitte, das Mitgefühl nicht mit einem Händedruck oder einer Umarmung auszudrücken, aus Rücksicht auf gesundheitlich anfällige Menschen.

Ich gebe zu: Sonst hat mich dieser Wunsch schon manchmal irritiert: die Bitte um Abstand von Beileidsbekundungen.  Aber ich weiß: Bei einer Beerdigung fällt es so schon vielen schwer, einigermaßen die Fassung zu wahren. Und manchen hilft es dann, sich mit dieser Bitte zu schützen: „Von Beileidsbekundungen bitten wir Abstand zu nehmen!“

Bei dieser Beerdigung war die Situation ganz anders. Es war so deutlich zu spüren: Viele hätten sich gewünscht, gerade nicht Abstand halten zu müssen. Bei der Familie des Verstorbenen, aber auch bei den Trauergästen. Eine junge Frau sagte nach der Beerdigung zu mir: „Die Witwe ist meine Nachbarin und ich hätte sie so gerne in den Arm genommen. Was ich gesagt habe, kam mir so leer vor. Klar, es ist ja richtig, nichts zu riskieren. Aber ich hab noch nie so deutlich gespürt, wie wichtig eine Umarmung ist, oder wie gerne ich ihre beiden Hände genommen hätte. Gerade, weil mir die Worte fehlen“. Und sie war nicht die Einzige, die das so empfunden und gesagt hat.

Die Corona-Krise verlangt uns allen ganz schön viel ab. Die Bitte: „Von Beileidsbekundungen bitten wir Abstand zu nehmen!“, die kann ein echter Verzicht sein. Und neu aufmerksam machen: Wie wertvoll gute Worte sind, aber eben auch ein Händedruck oder eine Umarmung. Darauf müssen wir vorerst verzichten.

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