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Ehrliche Weihnachtspost
Bildquelle: pixabay

Ehrliche Weihnachtspost

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt

Heute beginnen die Tage zwischen den Jahren. Meistens komme ich erst jetzt dazu, in Ruhe meine Weihnachtspost und Neujahrsbriefe zu lesen. Per Post oder per E-Mail haben Freunde und Verwandte geschrieben, wie das vergangene Jahr für sie war. Die einen schicken nur ein paar Zeilen. Andere erzählen auf mehreren Seiten, wie die Kinder sich in der Schule und im Studium machen, welche Reisen sie unternommen haben und was im Beruf los war.

Ich mag die Weihnachts- und Neujahrsbriefe. Dadurch bekomme ich etwas von dem Leben meiner Familie und Freunde mit, auch wenn sie weiter entfernt wohnen und wir uns nur wenig sehen. Und ich habe Respekt vor dem Weihnachtsbrief-Schreiben. Ich weiß, wie viel Arbeit es macht, sich hinzusetzen und zu überlegen: Was war eigentlich dieses 2017 für mich? Die Gefahrist groß, dass der Weihnachtsbrief zur Leistungsschau wird: Schaut her, das haben wir alles geschafft. Wie beschreibe ich das, was nicht so gut gelaufen ist? Ohne meine Familie und Freunde damit zu bedrängen, sondern um ihnen ehrlich von meinem Jahr zu erzählen. In der Bibel steht: „Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden.“ Das steht für eine intensive Qualität, wie man miteinander verbunden sein kann. Meine Familie und Freunde können sich nur mit mir freuen oder mit mir traurig sein, wenn sie wissen, wie es mir geht.

Meine eigene Weihnachtspost ist eine Karte mit Bildern aus dem vergangenen Jahr – ganz ohne Worte. Auch da ist die Auswahl nicht einfach. Zeige ich nur die Glanzlichter? Die Fotos vom Sommerfest, vom Urlaub und von schönen Besuchen? Ich versuche, in den Bilderbogen meines Jahres wenigstens ein, zwei Fotos einzufügen, die die ernsten Seiten zeigen. Ein Bild von mir und meiner Mutter, die gerade krank ist. Ein Foto für die, die in diesem Jahr gestorben sind. Eine Aufnahme von mir, auf der ich kein Fotogesicht mache und ein bisschen schräg aussehe.

Freut euch mit den Fröhlichen. Weint mit den Weinenden. So ehrlich aneinander Anteil zu nehmen, das wünsche ich mir.

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