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Dive into peace
David Mark/Pixabay

Dive into peace

Ein Beitrag von Sabine Müller-Langsdorf, Evangelische Pfarrerin, Zentrum Oekumene, Frankfurt
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Morgen geht in der südkoreanischen Stadt Gwangju die 18. Schwimmweltmeisterschaft zu Ende. Sie hat das Motto: „Dive into Peace“- tauche ein in den Frieden. Ein schöner Satz für ein internationales Sportereignis. Und eine Herausforderung. Denn das „Eintauchen in den Frieden“ braucht klare Regeln und einen fairen Wettkampf ohne Doping.

Und wie sieht das Eintauchen in den Frieden außerhalb des Sports aus? Korea, das Land der Schwimm-WM, ist ein geteiltes Land. Ohne Friedensvertrag. Seit mehr als 70 Jahren gibt es ein Nordkorea und ein Südkorea. Die Grenze ist dicht. Gespickt mit Waffen. „Dive into Peace“ ist die Sehnsucht vieler Menschen in den beiden Koreas.

Zwischen der Presbyterianischen Kirche in Südkorea und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau gibt es eine ökumenische Partnerschaft. Darum war ich einmal in diesem Land. Ich erinnere mich an Gerstentee, an  den scharf eingelegten Weißkohl Kimchi und die Freude der koreanischen Gastgeber, zum Ausklang eines Abends gemeinsam zu singen. Am allermeisten aber erinnere ich mich an Gwangju, wo die Schwimm-WM gerade stattfindet. In dieser Stadt stimmt das Motto einfach: Tauche ein in den Frieden! Diese Stadt steht in Korea für den Mut, den Menschen aufbringen, um gegen Unrecht aufzustehen. Den Frieden zu wagen wie einen Sprung ins kalte Wasser.

Im Mai 1980 demonstrierten in der Stadt Gwangju junge Leute gegen die damalige Militärdiktatur. Die anfangs friedliche Demonstration wurde mit brutaler Gewalt niedergeschlagen. Innerhalb von sechs Tagen beendete das Militär den Protest mit einem Gemetzel an der Bevölkerung.

Zehn Jahre später war ich in Gwangju zu Besuch. In der Kirchengemeinde erzählten uns koreanische Menschen von dem Leid, das sie damals erlebt haben. In ihren Worten habe ich ihren Wunsch nach Gerechtigkeit für die Opfer gespürt. Und dann gab es so etwas wie ein „Eintauchen in den Frieden“:  Einer erzählte von der Idee einer Gedenkstätte und eines Friedhofs für die Opfer des Aufstands. Andere vom zarten Sieg der demokratischen Kräfte in der Politik. Wir haben an diesem Abend in Gwangju auch gemeinsam in der Bibel gelesen. Wir aus dem gerade wiedervereinigten Deutschland zusammen mit unseren Gastgebern im geteilten Korea. Die Worte von Jesus hatten da einen besonderen Klang: Liebt eure Feinde! Seid Botschafter der Versöhnung!

Heute sind der Friedhof und die Gedenkstätte für die Opfer der Militärgewalt Wirklichkeit geworden. Die Militärdiktatur ist Vergangenheit. Aber Korea ist immer noch geteilt. Die presbyterianische Kirche in Südkorea lässt nicht locker. Sie fordert einen Friedensvertrag zwischen den beiden Koreas. „Eintauchen in den Frieden“. Ich wünsche Korea, dass das bald Wirklichkeit wird.

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