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Alles wird gut
Dean Mitchell/GettyImages

Alles wird gut

Stephan Krebs
Ein Beitrag von

Stephan Krebs,

Pfarrer, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Darmstadt
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Seit fast 50 Jahren sind sie nun verheiratet: Gisela und Gert. Sie lieben einander und haben sich aneinander gewöhnt. An die Marotten und an die Lebensweisheiten. Eine davon lautet: „Alles wird gut.“ Das sagte Gert immer, wenn es dicke kam. Und Gisela? Die nickte dazu und lächelte. Sie fand, dass dieser Satz Zuversicht verströmte. Über die Zweifel, die sie dabei ebenfalls empfand, ging sie hinweg. „Alles wird gut“. Sie fragte bei Gert nie nach, was er damit genau meinte.

Alles wird gut

Als die beiden ihren Traumurlaub absagen mussten, weil sich Gisela das Bein gebrochen hatte, da sagte Gert: „Alles wird gut.“ Gisela dachte: „Ja, mein Bein wird wieder gesund und wir machen den Urlaub später.“

Wenn sie im Fernsehen die Nachrichten guckten, innerlich aufgewühlt vom Elend der Welt, von Hunger und Hass, von Gier und Gewalt, dann murmelte Gert manchmal in sich hinein: „Alles wird gut!“ Gisela dachte: „Ja, die Menschheit ist lernfähig. Es wird schon besser werden.“

Als ein Sturm ihren Garten zerstörte und Gisela fassungslos davorstand, sagte Gert: „Alles wird gut.“ Gisela dachte: „Ja, wir räumen den Garten auf und machen ihn neu. Wir schaffen das.“

Eine schlimme Diagnose

Nun hält Gert die schlimme Diagnose in den Händen, von der er sich vielleicht nicht mehr erholen wird. Während sie darüber Tränen vergießt, sagt er: „Alles wird gut.“ Wie so oft, will sie dazu nicken und lächeln. Doch heute fragt sie ihn: „Was, bitteschön, soll jetzt wieder gut werden? Du kennst die Diagnose doch! Was willst du denn machen?“

Gott wird alles gut machen

Gert sagt: „Nichts. Ich kann ja gar nichts tun. Ich werde vermutlich sterben. Aber trotzdem: Alles wird gut, nicht, weil ich es gut mache oder wir oder irgendjemand sonst, sondern weil Gott alles gut machen wird. Daran halte ich fest. Das ist mein Glaube. Das ist uns versprochen.“

Gert schweigt und Gisela auch. Ihr wird bewusst, was Gert mit seinem „Alles wird gut“ eigentlich meinte. Sie erkennt, es ist viel mehr, als sie es je gehört hatte.

Da spricht Gert weiter: „Der Mensch kann vieles. Aber alles gut machen – das kann er ganz sicher nicht. Schau dir die Welt an. Wie sich die Menschheit immer wieder verheddert. Schau dich um in unserem Freundeskreis. Wie sie sich alle abstrampeln für ein möglichst gutes Leben – und schaffen es dennoch oft nicht.“

Ein feste Burg ist unser Gott

Dann fängt Gert leise an einen Liedvers zu zitieren:
„Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren;
es streit’t für uns der rechte Mann, den Gott selbst hat erkoren.
Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott;
das Feld muss er behalten!“ 
(EG 362, Strophe 2)

Gisela staunt, was ihr Gert aus der Tiefe seiner selbst spricht. Dass er ein religiöser Mensch ist, weiß sie wohl. Aber nicht, wie tief das in ihm wurzelte. Was er sagt, überzeugt sie allerdings nicht. Sie entgegnet: „Aber was hilft das, wenn du vielleicht bald stirbst?“

Es gibt keine andere Hoffnung als diese...

Gerd antwortet: „Das werden wir sehen. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es keine andere Hoffnung gibt als diese. Und für sie gibt es einen Grund. Das Lied sagt: Jesus Christus, der macht, dass alles gut wird. Das glaube ich, weil ich sonst an nichts glauben kann. Halte es für naiv. Oder glaube es mit mir. Es tut gut, das zu glauben und zu spüren: Alles wird gut.“

Gisela schweigt. Langsam wandert ihre Hand zu seiner. Seine kommt ihr entgegen. Sie halten einander fest. Leise und prüfend murmelt sie „Alles wird gut“. Er nickt.  

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