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Krieg ist Wahnsinn
Bildquelle Pixabay

Krieg ist Wahnsinn

Uwe Groß
Ein Beitrag von

Uwe Groß,

Katholischer Diakon, Pfarrei St. Peter und Paul, Wiesbaden

Vor allem die unzähligen Gräber sind mir von der Normandie in Erinnerung geblieben. Kreuz an Kreuz, Friedhof an Friedhof, deutsche, amerikanische, britische, kanadische und französische Soldaten sind dort begraben. Menschen mit Namen, Familien, Träumen und Sehnsüchten. Sie liegen zu Tausenden in der Erde der Normandie. Die Brutalität eines Krieges hat sie um ihre Zukunft gebracht. Bald ist wieder der Gedenktag dieser Schlacht von 1944: der 6. Juni.

Und ich denke zurück an meine Eindrücke, auf meiner Reise in die Normandie im letzten Jahr. Zum Beispiel als ich vor dem Grab eines unbekannten Soldaten in Bayeux stand. Auf seinem Grabstein hat seine Mutter ihre letzten Wünsche einmeißeln lassen: „Meinem geliebten Sohn möge Gott Frieden schenken“. Ich denke an den deutschen Friedhof, auf dem ich in einer Schautafel den verzweifelten Brief eines deutschen Soldaten las: „Ihr Daheimgebliebenen wisst nicht, was Krieg ist, ihr kennt nicht die Verstümmelungen, das Sperrfeuer der Maschinengewehre, die Schreie der sterbenden Kameraden, die Angst, die hier jeder hat…. Wenn ihr das wüsstet, würdet ihr nicht so leichtfertig über den Krieg reden.“ Ich denke an den schier endlosen amerikanischen Militärfriedhof, der mir deutlich machte, wie viele Schicksale hier ausgelöscht wurden. An der Küste der Normandie dachte ich an die Soldaten, die in den Landungsbooten der Alliierten saßen und sehenden Auges in die Maschinengewehrsalven der Deutschen stürmten. Ich dachte auch an meinen Großvater, der hier auf der deutschen Seite gekämpft hatte und vielleicht auch Menschen getötet hat. Wie grausam ist der Krieg.

Mir ist bei meinem Besuch in der Normandie klar geworden, wie wichtig diese Gräber sind. Die Gräber der toten Soldaten erzählen von der Brutalität des Krieges und von der Hoffnung, dass uns so eine Katastrophe erspart bleibt. Die Gräber erzählen aber auch von der Befreiung Europas. Ohne die mutigen drei Millionen Soldaten der Amerikaner, Engländer, Kanadier und Franzosen hätte das Hitler- Regime weiterhin bestanden. Für mich ist dieser 6. Juni deswegen ein Tag der Befreiung. Ich bin in den siebziger Jahren aufgewachsen, für meine Generation war es immer normal, in einem friedlichen Europa, in einer freien Gesellschaftsordnung zu leben. Aber das ist nicht selbstverständlich, und davon erzählen die Gräber in der Normandie und anderswo. Sie erinnern mich daran wie glücklich ich sein kann, in einem Teil Europas zu leben, der seit über 70 Jahren keine Kriege mehr kennt.

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