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Weltmigrantentag: Warum helft ihr mir nicht?

Weltmigrantentag: Warum helft ihr mir nicht?

Beate Hirt
Ein Beitrag von

Beate Hirt,

Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr, Frankfurt
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Sie haben mich geschockt, die Bilder von Lesbos in den letzten Wochen. Ja, ich wusste auch schon vorher: Im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel herrschen furchtbare Zustände. Aber ehrlich gesagt: Auch mir ging es so, dass andere Themen im letzten halben Jahr oft wichtiger waren. Corona natürlich vor allem. Und dann hab ich diese Bilder gesehen: Von den Menschen, die vor den Flammen weglaufen. Von den Menschen, die auf der Straße campieren. Die wirklich nichts mehr haben, kein Dach über dem Kopf, nichts zu essen und zu trinken. So viele Kinder sind dabei. Manchmal schauen sie nur in die Kamera und ich höre den Satz: Warum helft ihr mir nicht?

Nicht mehr wegsehen

Morgen ist der „Welttag der Migranten“. Und ich hab mir vorgenommen: Ich werde dieses Wochenende ein bisschen meiner Zeit und meines Geldes für Flüchtlinge investieren. Denn es hilft ja nichts, dass ich nur geschockt bin, nur Mitleid empfinde. Ich muss auch etwas tun. Natürlich ist mir klar: Meine Möglichkeiten sind begrenzt. Die große Politik verhandelt jetzt vor allem, was zu tun ist: Welches Land kann wie viele Menschen aufnehmen? Wie können wir den Menschen vor Ort helfen? Oder auch: Wie können wir Fluchtursachen generell bekämpfen? Aber: Die große Politik braucht auch jeden und jede Einzelne von uns. Das haben wir in Corona-Zeiten erst recht gelernt. Es kommt auch auf mich an.

Sie brauchen Fürsprecher

Ich kann zum Beispiel meine Stimme einbringen in die gesellschaftliche Debatte um die Flüchtlinge von Lesbos. Ich kann sagen, zum Beispiel im Internet: Wir müssen zumindest die Kinder und Familien in Sicherheit bringen. Und ja, auch zu uns nach Deutschland. Deutlich mehr, als die, die jetzt zugesagt sind. Viele Bischöfe und kirchliche Organisationen wie die Caritas fordern das gerade auch. Und ich will etwas spenden an diesem Wochenende. An die Hilfsorganisationen, die konkret vor Ort den Menschen auf Lesbos helfen und an anderen Orten, wo Flüchtlinge leben. Ich will auch beten: dafür, dass die Kinder und Erwachsenen auf der Flucht Trost und Hilfe bekommen.

Was ihr dem geringsten meiner Brüder tut...

Papst Franziskus hat eine Botschaft veröffentlicht zum „Welttag der Migranten“ morgen. Er erinnert daran: Jesus selbst ist gegenwärtig in den Menschen, die auf der Flucht sind. Er schreibt: „Wir sind aufgerufen in ihren Gesichtern das Antlitz des hungrigen, durstigen, nackten, kranken, fremden und gefangenen Christus zu erkennen, der uns fragend anblickt (vgl. Matthäus 25,31-46).“ Es klingt vielleicht etwas seltsam, aber genau das geht mir manchmal durch den Kopf, wenn ich ein Kind auf Lesbos in den Nachrichten sehe. Es schaut mich an, und ich höre die Frage: Warum hilfst du mir nicht?

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