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Sündenböcke
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Sündenböcke

Clemens Weißenberger
Ein Beitrag von

Clemens Weißenberger,

Katholischer Pastoralreferent, Frankfurt

„Wer Juden verfolgt, der muss damit rechnen, aus der Kirche ausgeschlossen zu werden.“ Ein starker Satz ist das, und einer, der auch heute – leider – ganz aktuell klingt. Aber er stammt gar nicht von heute, sondern: Er ist schon vor 670 Jahren in einer päpstlichen Bulle geschrieben worden! Im tiefsten Mittelalter sozusagen. Damals wurden Juden verantwortlich gemacht für alles Schlimme auf der Welt, die Pest zum Beispiel. Der Papst schrieb: Das sind sie nicht. Und er drohte sogar denjenigen, die die Juden verfolgten, mit Kirchenausschluss.

Schon damals im Mittelalter wurden diejenigen zum Sündenbock gemacht, die irgendwie fremd waren. Die anders aussahen oder anders glaubten als man selbst, die anderes Essen hatten oder andere Kleidung. Aber ich habe den Eindruck: Das ist mit dem Mittelalter nicht vorbei.

Wenn ich mir die Nachrichten der letzten Tage und Wochen anhöre, dann denke ich: Da gibt es wieder Menschen, die andere zu Sündenböcken machen, die auf die Straße gehen und gegen Fremde schreien. Ausländer und Flüchtlinge, die sind verantwortlich, für Verbrechen, Betrug, und sie kommen ja nur, um es sich hier in Deutschland gut gehen zu lassen. Das stimmt natürlich nicht. Man muss genauer hinschauen. Es gibt natürlich auch Ausländer, die Verbrecher sind. Aber da vertraue ich auf unsere Justiz, und dass sie bei Verbrechen genau hinschaut. Und dass das konsequent angeklagt wird, was falsch und gegen unsere Gesetze ist.

Aber pauschal eine Gruppe in unsrer Gesellschaft für alles Übel verantwortlich zu machen, das ist unvernünftig und unchristlich. Das sagen auch heute wieder Papst und Bischöfe, aber auch die tausenden Menschen, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Ich kenne viele Menschen in Kirchengemeinden, die sagen: Wir müssen die Fremden aufnehmen. Das steht schon in der Bibel. Ganz viele Gemeinden beteiligen sich, helfen bei der Wohnungssuche, begleiten zu Ämtern und Behörden, vermitteln Arbeit und helfen Kindern und Erwachsenen beim Deutsch lernen. Das sind wichtige Aufgaben, damit die Flüchtlinge hier ankommen können. Und die brauchen Menschen und Zeit. Ich weiß es von einem Kollegen, dem der Bürgermeister aus dem Ort, in dem er arbeitet, sagte: Wenn die Kirchen nicht gewesen wären, dann hätten wir das mit den Flüchtlingen nicht hinbekommen.

Ich hoffe das eines dabei klar ist: Wir müssen Menschen als Menschen sehen, anstatt sie zum Sündenbock zu machen. Ich freue mich, dass Kirche

das immer wieder zeigt und lebt. Und ich wünsche mir, dass dieses Miteinander und diese Nächstenliebe stärker sind als Hass und Vorurteile.

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