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So weit der Himmel ist
Bildquelle: pixabay

So weit der Himmel ist

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt

Ich hab das im Winterurlaub genossen. Endlich gibt es genug Schnee zum Skifahren. Nicht mehr nur schmutzweiße, künstliche Bänder in einer grünen Herbstlandschaft, sondern in den Skigebieten tiefes, weiches, sauber glitzerndes Weiß, soweit das Auge reicht. Da kratzt nichts Eisiges unter den Skiern. Wer so richtig Glück hat im pulvrigen Schnee, hört beim Skifahren nur ein ganz leises, sehr besonderes Geräusch, so als würde ein langes, dünnes Stück Stoff langsam und anhaltend zerrissen.

Beinahe alle, die mit dem Sessellift oder der Gondel ganz oben ankommen, da wo das Skigebiet zu Ende ist, bleiben erst mal eine Weile stehen, die Skibrille auf den Helm gesetzt, die Stöcke im Schnee. Sie lassen den Blick schweifen über die weißen Gipfel und den blauen Himmel, den die Wolken zum Teil freigeben. Wenn man sich gerade noch über volle Autobahnen nach Süden und dann in engen Gondeln auf dem Berg gedrängelt hat, kann man diese wunderbare Weite besonders intensiv genießen.

Es gibt einen Psalmvers, der heißt: "Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen." (Ps 36,6) Wer das gedichtet hat, hat offenbar ähnliches erlebt. Viele Skifahrer kramen in ihren Rücksäcken nach dem Fotoapparat, um diesen majestätischen Moment festzuhalten. Sie drehen und wenden sich in verschiedenen Richtungen, um wirklich die beste Perspektive zu haben und ein Foto zu machen, das diesen überwältigenden Eindruck wiedergeben kann. Aber was das Gipfelpanorama bietet, kann selbst das weiteste Weitwinkelobjektiv nicht erfassen.

Ich hab dort oben mehrere Bilder nebeneinander gemacht und sie dann im Computer zu einem breiten Panoramabild zusammengefügt. Auch dieses Bild kann mit der Wirklichkeit nicht mithalten. Aber jetzt, nach dem Urlaub zu Hause, erinnert es mich an das faszinierend weite Gipfelpanorama. Auch die neuste Fototechnik kann die Weite des Himmels und der Wolken nicht wiedergeben, die ich dort erlebt habe.

Wenn mir mal wieder so richtig eng zumute ist, wenn ich bedrückt bin und mich eingesperrt fühle in meinem Alltag oder in manchen Sorgen, dann denke ich daran, dass die Güte Gottes weiter ist, als ich es begreifen kann, so wie der Himmel und die Wolken dort oben auf dem Gipfel.

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