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Schnittblumen
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Schnittblumen

Kurt Grützner
Ein Beitrag von

Kurt Grützner,

Landespolizeipfarrer der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel
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Bei uns zuhause steht immer ein Blumenstrauß auf dem Tisch. Besonders nach langen Wintern hole ich gerne die ersten Blüten des Frühlings in unsere Wohnung. Sogar jetzt im Sommer hellen ihre leuchtenden Farben meine Seele auf.

Irgendwann aber verblühen sie auch. Das Wasser beginnt zu riechen. Jetzt müssen sie wohl weg. Ich stelle die Vase auf die Spüle unter der unsere Biomülltonne steht. Schaue meine welkenden Schnittblumen nochmal an. Eine oder zwei im Strauß sind doch noch ganz schön. Soll ich die wirklich wegwerfen? Eine Woche haben sie mir gutgetan, dort in der Vase auf dem Tisch. Und jetzt kommen sie in den Biomüll?

Ist das eigentlich in Ordnung, wie ich das mit den Blumen mache? Im Blumenladen strahlen sie mich an in voller Pracht, so als würden sie sagen: Nimm mich mit. Die Wahrheit aber ist: Irgendwer hat sie zuvor abgeschnitten, abgeschnitten von ihren Wurzeln, abgeschnitten von ihrem Lebenssaft.

Das Wasser in der Vase ist ein billiger Ersatz für den Lebenssaft, den meine Blumen draußen in der Erde hatten, bevor sie abgeschnitten wurden. Alle wissen, sie werden nur ein paar Tage in der Vase überleben. Aber in diesen paar Tagen machen sie mir Freude.

Eigentlich sind sie dafür doch gar nicht geschaffen. Eigentlich blühen sie doch, um Samen zu bilden, der dann in die Erde fällt und Nachkommen bringt.

In meiner Vase blühen sie, um mir Freude zu machen. Die Schnittblumen wissen das nicht, aber sie tun es. Letztendlich geben sie ihr Leben, damit meine Seele heller wird.

Christlicher Glaube kennt sowas. Das Leben für andere hingeben. Vielleicht liegt darin das Geheimnis der Liebe.

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