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Nicht sehen, hören, reden? Gott sieht den Menschen an und ermutigt zum Engagement
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Nicht sehen, hören, reden? Gott sieht den Menschen an und ermutigt zum Engagement

Karl Waldeck
Ein Beitrag von Karl Waldeck, Direktor Evangelische Akademie, Hofgeismar

Es sind Nippes-Figuren – oder soll man sie gleich Kitsch nennen? Drei Affen sind aufge­stellt: Der eine hält sich den Mund zu, der zweite die Ohren, der dritte verbirgt mit den Händen die Augen: Nichts reden, nichts hören, nichts sehen. Dafür stehen die drei. Es ist leicht, sich über sie lustig zu machen, über ihr „affiges“ Getue und über eine Haltung, die vor allem eines ist: Ignorant, die nichts wissen will und sich der Wirklichkeit mit nahezu allen Sinne verweigert: Nichts reden, nichts hören, nichts sehen.
Drei Affen, drei Tiere sind zu sehen. Tatsächlich stehen diese drei Figuren für den Men­schen, so wie es in Fabeln seit alters her der Fall ist: Tiere sprechen und handeln, jedoch sind Menschen und ihr Verhalten gemeint. „Nichts reden, nichts hören, nichts sehen.“ Un­weigerlich fallen einem Zeitgenossen ein, die sich der Wirklichkeit verweigern: Sie wollen nicht sehen, wie diese Welt ist. Sie verschließen ihre Ohren, wenn man mit ihnen argu­mentiert und diskutiert – und erst recht kriegen sie den Mund nicht auf. Sie sind ignorant – gegenüber der Wirklichkeit, gerade gegenüber dem, was in der Welt zum Himmel schreit: Unrecht, Leiden, Krieg, Zerstörung der Umwelt. Kann man das, darf man das wirklich: Ohren, Mund und Augen verschließen – und sein Herz und den Verstand noch dazu?
Nichts reden, nichts hören, nichts sehen.“ Es ist verständlich, mit dem Finger auf diese Wirklichkeitsverweigerer zu zeigen. Allerdings: Wer mit seinem Finger auf andere zeigt, dessen Hand weist mit vier Fingern auf sich selber zurück. Man sollte sich deshalb selbst­kritisch fragen: Wie ist das? Was mag ich hören, sehen, welchen  Nachrichten und Bildern setze ich mich aus und wo schaue und höre ich selber weg? Wann schweige ich − als Selbstschutz oder um nicht das Vertrauen in die Welt zu verlieren? Doch wo hört der Selbstschutz auf, wo beginnen Passivität und Ignoranz?
„Du hast mich gesehen“. So lautet das Leitwort des 36. Deutschen Evangelischen Kirchen­tages. Es ist Gott, so sagt die Bibel, der hinsieht und hinhört und vor der Not des Menschen Augen und Ohren nicht verschließt. Gott sieht das Unrecht und Leid – was Menschen ein­ander antun. Ich empfinde das als entlastend und ermutigend. Entlastend, weil ich nicht denken muss, es läge nur an mir, die Welt zu retten. Dabei  sollte ich mich durchaus fragen, was ich dazu beitragen kann, dass diese Welt eine bessere wird.
Gott sieht den Menschen an. Das ermutigt zugleich, mich zu engagieren: Das muss nicht überall sein; ich kann mir dazu einen Ort oder einige wenige Orte auswählen, wo ich für andere Augen, Ohren und Mund öffne, mein Herz und meine Hände.

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