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Neuanfang mit neuen Freundschaften
Bild: Pixabay

Neuanfang mit neuen Freundschaften

Christoph Schäfer
Ein Beitrag von

Christoph Schäfer,

Katholischer Religionslehrer, Rüsselsheim
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Gerade hab ich eine Geschichte über Flüchtlinge gelesen, die mir richtig nahe geht. Und mich anspornt, wieder mehr über das Thema nachzudenken: den Roman „Aja“ von der Autorin Gabriele Beyerlein aus Darmstadt. Er ist weder besonders drastisch noch dramatisch. „Aja“ ist ein ziemlich leises, behutsames Buch.

Darum geht es: Die elf Jahre alte Aja zieht unfreiwillig von Bayern ins Rhein-Main-Gebiet. Ihre Eltern haben sich getrennt, die Familie ist in Auflösung. In dieser turbulenten Umbruchs-Situation kommt es ihr so vor, als ob die ganze Welt gegen sie ist. Sie ist oft bockig – und hasst sich dann selbst am meisten.

Allmählich gewinnt sie aber zwei Freundinnen, die noch viel existenzieller mit Umbruchs-Erfahrungen zu kämpfen hatten: Da ist ihre Mitschülerin Djamila. Sie ist aus Syrien geflohen. Man ahnt: Sie hat Schreckliches erlebt, auch wenn sie nicht viel darüber spricht. Und da ist Ajas Tante Hildegard, bei der Aja mit ihrer Mutter nun wohnt. Tante Hildegard hat nicht immer ein beschauliches Leben in einem kleinen Häuschen geführt, sondern ist als junges Mädchen am Ende des Zweiten Weltkrieges aus Schlesien geflohen. Gespräche mit Djamilia und Hildegard relativieren für Aja ihre eigenen Probleme. Auch wenn diese nicht kleingeredet werden.

Noch wichtiger find ich: Aja erkennt, was sie mit Djamila und Tante Hildegard verbindet. Denn jeden kann es treffen, mit drastischen Umbrüchen im Leben konfrontiert zu werden. Und jeder braucht  dann Solidarität und Unterstützung. Es ist einfach sympathisch, wie diese drei sehr verschiedenen Menschen zueinander finden und sich im Alltag Halt geben: Hildegard hilft den Schülerinnen mit ihrem Wissen über einheimische Baumarten. Djamilia motiviert Aja zum disziplinierten Lernen. Und Aja selbst: Sie ist bald nicht mehr die schmollende Außenseiterin, sondern diejenige, die alle Freundinnen miteinander verbindet. 

Ich finde es einfach schön, wie im Roman „Aja“ zwar eindringlich über Flucht und andere existenzielle Umbrüche berichtet wird, wie aber vor allem beschrieben wird: Menschen können an einem neuen Ort ankommen und neue Freundinnen und Freunde finden.

Linktipp:
Homepage der Darmstädter Autorin Gabriele Beyerlein
Weitere Infos und Leseproben zum Roman "Aja" auf der Seite der Autorin

 

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