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Mit Gott einen Deal machen
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Mit Gott einen Deal machen

Charlotte von Winterfeld
Ein Beitrag von

Charlotte von Winterfeld,

Evangelische Pfarrerin, Frankfurt

Mit Gott einen Deal machen. Geht das? Schwester Lea hat das gemacht und nicht bereut. Im Februar ist Lea Ackermann 80 Jahre alt geworden. Die Nonne und Kämpferin für Frauenrechte hat ein bewegtes Leben hinter sich. Vor ein paar Wochen hat sie in einem Interview davon erzählt. Mein Mann hat das im Radio gehört und eine Gänsehaut bekommen. Und das passiert nicht so oft bei ihm.

Als junge Frau macht Lea Ackermann eine Lehre bei der Bank. Aber sich ein ganzes Leben lang nur mit Geld zu beschäftigen, das hat sie nicht genug ausgefüllt. Nach einer durchtanzten Nacht in Modekleid und High Heels landet sie in Trier vor einer Klostertür. Mit Mitte 20 tritt sie den Missionsschwestern \"Unserer Lieben Frau von Afrika \" bei. Nach einer Studienzeit in Theologie und Pädagogik entsendet der Orden sie nach Kenia. Sie ist in Zivil auf den Straßen von Mombasa als Sozialarbeiterin unterwegs.

Eigentlich soll sie kenianische Lehrer fortbilden. Doch Lea Ackermann weiß bald, dass ihre Hilfe woanders nötiger ist: in der Welt versklavter Sex-Arbeiterinnen, unter ihnen viele Minderjährige. Ein Erlebnis stößt Lea Ackermann besonders ab. Drei Männer, darunter ein Bischof, sitzen hinten im Taxi, Schwester Lea sitzt vorn. Alle sind in Zivil unterwegs. Der Fahrer spricht nur gebrochen Englisch und schlägt den Männern ein Geschäft vor: „Ich biete meine kleine Schwester. Sehr schön, sehr jung, die ganze Nacht, ganz billig!“

Schwester Lea ist geschockt, dass junge Frauen so zur Ware degradiert werden. Sie sagt sich: "Lieber Gott, ich mache mit dir einen Deal. Ich kümmere mich um deine chancenlosen Töchter, lass du mich bloß nicht hängen!" Lea Ackermann geht in die Bordelle und hört den Prostituierten erst einmal zu. Ihre Erkenntnis: Keine der Frauen bietet ihre Dienste freiwillig an. Sie sieht das Leid der Frauen und gründet SOLWODI – Solidarity with Women in Distress, einen Verein für Frauen in Not. Sie schreibt Bettelbriefe per Hand an alle Menschen, die sie kennt, und wirbt um Spenden.

Zusammen mit anderen Engagierten renoviert sie eine alte Lagerhalle. Dort gibt es die ersten Treffen für Mädchen und Frauen, die raus aus der Prostitution wollen. Zusammen entwickeln sie Modelle, damit die Frauen ihr Einkommen haben. Heute gibt es in Kenia 34 Zentren für Beratung und Ausbildung. Dort werden Frauen zu Bäckerinnen ausgebildet, zu Schuhmacherinnen, Schneiderinnen und Friseurinnen. Auch in anderen Ländern und auch in Deutschland ist SOLWODI vertreten.

Lea Ackermann ist eine Kämpferin und hat sich dabei immer von Gott unterstützt gefühlt. Ihr Deal mit Gott ist aufgegangen. Sie hat ihr Herzblut, ihre Zeit, ja ihr Leben für diese Frauen eingesetzt und Gott hat geholfen, wenn es irgendwo gehakt hat. So sieht sie es. Ich bewundere ihr Engagement. Nicht jeder kann gleich sein ganzes Leben für eine gute Sache einsetzen. Ich zum Beispiel habe eine Familie mit zwei kleinen Kindern, da fehlt einfach die Zeit. Aber hin und wieder brauche ich das auch: ein Engagement über meinen Tellerrand hinaus. Ich hoffe, dass Gott etwas dazu beisteuert. Seit neuestem habe ich eine Patentochter in einem SOS-Kinderdorf in der Nähe von Damaskus in Syrien.

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