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Leben und Sterben wo ich daheim bin
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Leben und Sterben wo ich daheim bin

Dr. Ulf Häbel
Ein Beitrag von

Dr. Ulf Häbel,

Evangelischer Pfarrer, Laubach-Freienseen

„Wohin mit den Alten?“ So lautete – etwas flapsig formuliert – das Thema einer Podiumsdiskussion, an der ich teilgenommen habe. Es ging um den sogenannten demographischen Wandel, d.h. dass es bei uns immer mehr alte Menschen gibt. Wie und wo können sie altersgerecht wohnen und – wenn nötig – betreut werden.

In dieser Diskussion, stellte der frühere Oberbürgermeister von Bremen, Henning Scherf, sein Modell vor. Er lebt in einer Wohngemeinschaft, die er mit Jugendfreunden gegründet hat. Die haben sich im Vorausblick auf ihr Alter überlegt, wie das Leben dann aussehen kann. Dabei kam dieses Modell einer Wohngemeinschaft heraus. Wenn es bei Studenten die WGs gibt, warum nicht auch für die Alten? Doch das ist eine glückliche Ausnahme.

In dem Dorf im Vogelsberg, in dem ich lebe und inzwischen alt geworden bin, gibt es das nicht. Meine über achtzigjährige Mutter, die bei uns im Haus eingezogen war, hat öfter gesagt: „Am besten ist: du wirst morgens wach und bist tot. Aber so einfach ist das nicht. Das Nachdenken darüber, wie und wo altersgerechtes Wohnen sein kann, blieb uns nicht erspart. Und am Ende war es dann so, dass meine Mutter nicht mehr bei uns wohnen konnte. Der zweihundertjährige Bauernhof, in dem wir leben, hat überall Stufen und Treppen; er ist nicht altersgerecht.

Am Ende ihres Lebens war meine Mutter dann in einem Altersheim, was sie nicht wollte. Und unserer Nachbarin, mit der meine Mutter oft geredet hat, erging es genauso. Mit neunzig Jahren war sie in ihrem Haus gestürzt und musste dann ins Altersheim. Ich habe sie besucht. Auf meine Frage wie es ihr gehe, hat sie geantwortet: Das siehst Du doch; ich gucke Löcher in die Luft. Sie war im Altersheim bestens versorgt, aber nicht daheim.

In unserem Dorf, haben wir eine Initiativgruppe gegründet, die sich mit dieser Frage beschäftigt hat. Wohin mit den Alten. Von achthundert Einwohnern sind über zweihundert alt. Der Wunsch, solange es geht in „seinen vier Wänden“ zu leben, in der Nachbarschaft, im Dorf bleiben zu können ist durchgängig. „Leben und sterben, wo ich daheim bin.“

Unter diesem Motto, haben wir einen Verein gegründet. Inzwischen gehören ihm hundertsechzig Mitglieder an. Das Ziel: Die alten Menschen sollen zu Hause bleiben solange es geht!

Wir haben leer stehende Häuser gekauft und altersgerecht umgebaut. Dort gibt es einen barrierefreien Laden, in dem man alles für den alltäglichen Bedarf kaufen kann. Da gibt es eine Tagespflege. Da gehen Menschen hin, die tagsüber eine gewisse Betreuung brauchen – körperliche Pflege, gemeinsames Essen, Kontakt mit anderen. Es gibt ein paar altersgerechte Wohnungen. Von der Anzahl der Plätze her zu wenig. Doch es ist ein Anfang.

Wohin mit den Alten? Sie sollen solange es geht in ihrer vertrauten Umgebung bleiben. Leben und sterben, wo sie daheim sind. In dieser Auffassung spiegeln sich Würdigung und Wertschätzung des Alters. In der Bibel Heißt es an einer Stelle: Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehn und die Alten ehren.

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