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Ich kann’s besser - oder?
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Ich kann’s besser - oder?

Diplom-Theologin Doris Meyer-Ahlen
Ein Beitrag von

Diplom-Theologin Doris Meyer-Ahlen,

Referentin für Familien- und Beziehungspastoral, Fulda
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 „Ich kann’s besser“ – so lautet der Titel eines Kinderbuchs im Bücherregal bei uns zu Hause. Darin geht es darum, dass sich ein Junge und ein Mädchen begegnen und aus allem einen Wettbewerb machen: schneller laufen, höher klettern, besser zaubern, eine größere Beule haben.

Besser sein zu wollen als der oder die andere, ist offenbar eine wesentliche Motivation für menschliches Handeln. Das ist sicher auch wichtig, schafft manche Anreize; aber wenn der spielerische Wettbewerb von Machtinteressen dominiert wird, dann gibt es auch wirkliche Verlierer.

Dieses Wettbewerbs- und Konkurrenzdenken war auch den Jüngern, den Schülern Jesu nicht fremd. Heute wird in den katholischen Gottesdiensten ein Text aus der Bibel vorgelesen, der davon erzählt: Dazu berufen und erwählt, mit Jesus zu leben und zu beten, von ihm zu lernen und die Botschaft des Reiches Gottes zu verkünden, streiten sich die Jünger darüber, wer von ihnen der Größte ist, der Wichtigste, der Bedeutsamste. Obwohl die Jünger schon längere Zeit mit Jesus unterwegs sind, streiten um Macht und Posten im Reich Gottes. Sie haben erlebt, wie er mit Menschen umgeht. Vieles haben sie neu erfahren, neu verstanden, aber etwas in ihrem Denken ist noch schwer zu verändern: Gottes kommt nicht mit Macht und Gewalt und setzt sich nicht ein für allemal in einer Weise durch, dass es auch der letzte versteht und annehmen muss. Nein, das Reich Gottes, die Präsenz Gottes in der Welt und sein Wille, dass diese Welt sich zum Besseren verändert, zeigen sich im Dienen. Deshalb steht Jesus konsequent auf der Seite der Armen, der Schwachen, der Kleinen. Plakativ verweist Jesus auf ein Kind in ihrer Mitte: „Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern … [Gott, den Vater], der mich gesandt hat.“ (MK 9,37)

So ist es einerseits Aufgabe, sich der Armen und Schwächeren anzunehmen, mit ihnen nach dem zu suchen, was ihre Situation lebenswerter, erfüllter macht. Aber für mich geht es noch um mehr. Es geht darum, eine Haltung einzuüben, dass ich das Wichtigste, das ich zum Leben brauche, nur geschenkt bekommen kann: bedingungslose Liebe. Dieses Bewusstsein verändert zwischenmenschliche Beziehungen. Nicht ich bin besser als Du, ich kann’s besser als Du, sondern: ich kann’s nur mit Dir. Denn leben kann ich nur in positiver Beziehung. Und ich bin dankbar für das Geschenk Deiner Zuwendung.

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