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Gott gibt sich selbst
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Gott gibt sich selbst

Daniel Stehling
Ein Beitrag von Daniel Stehling, Pastoralreferent und Katholischer Religionslehrer, Fulda
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Wenn meine Eltern Geschichten aus meiner Kindheit erzählen, dann wird regelmäßig folgende Geschichte ausgepackt: Wie viele kleine Jungs von etwa 5 Jahren liebte ich Traktoren und landwirtschaftliche Geräte. Viele davon hatte ich in Kleinformat zum Spielen zu Hause. Und so sausten die kleinen Spielzeugtraktoren mit Hängern und anderen Geräten zur Feldarbeit ohne Pause durch mein Zimmer. Eines wünschte ich mir aber ganz besonders: Einen Heuwender für meinen Spielzeugtraktor. Und damals war mir klar, dass der nur von oben, vom lieben Gott kommen könnte. Und so betete ich: „Lieber Gott, bitte schicke mir um 12 Uhr einen Heuwender. Amen!“ Natürlich, Sie können es sich denken, fiel der Heuwender nicht um 12 Uhr vom Himmel und ich war ziemlich enttäuscht.

An diese Geschichte aus meiner Kindheit habe ich mich in diesen Tagen beim Beten wieder erinnert und mich gefragt: Was erbitte ich eigentlich heute, wenn ich bete? Und will ich auch heute noch, dass meine Wünsche vom Himmel fallen?

Meister Eckhardt, ein Mystiker des 13. Jahrhunderts hat es einmal so formuliert: „Suchen wir im Glauben die Gabe oder suchen wir den Geber?“ Suchen wir nur „etwas“ von Gott oder suchen wir ihn selbst?

Ich glaube: Wenn ich bete, bekomme ich von Gott nicht einfach „etwas“. Ich bekomme Gott, komme ihm ganz nah. Diese Gewissheit macht mir Mut und bewahrt mich vor Enttäuschungen. Denn ich brauche in meinem Beten nicht auf etwas zu hoffen. Ich darf gewiss sein, Gott gibt sich selbst. Was kann es Schöneres und Tröstlicheres geben, als aus dieser Glaubensgewissheit heraus zu leben!

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