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Geliebte Schwiegermutter
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Geliebte Schwiegermutter

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt
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Er gehört zu den Klassikern unter den Bibelversen, die sich Hochzeitspaare als Trauspruch aussuchen: „Wo du hingehst, da will auch ich hingehen; wo du bleibst, da bleibe auch ich.“ Der Bibelvers geht weiter: „Nur der Tod wird mich und dich scheiden.“ (Rut 1,16+17)

„Das ist unsere Geschichte!“, hat ein Hochzeitspaar gesagt, das ich in diesem Sommer getraut habe. Die Braut erzählt: „Wir hatten erst lange eine Fernbeziehung. Dann ist er zu mir gezogen. Und jetzt folge ich ihm in die Stadt, wo er einen neuen Job hat, und ich suche mir dort eine Stelle.“

Wo du hingehst, da will ich auch hingehen. Das Hochzeitspaar mit diesem Trauspruch wusste: In der Bibel sagt das eine Frau zu einer Frau. Nämlich Rut zu ihrer Schwiegermutter Noomi. Noomi war mit ihrem Mann und ihren Söhnen wegen einer Hungersnot ins Nachbarland gezogen. Dort wohnen sie als Fremde. Die beiden Söhne heiraten Frauen aus dem Gastland. Eine davon ist Rut. Die Themen Migration und Integration sind also uralt.

Nun sterben erst Noomis Mann und dann auch ihre beiden Söhne. Noomi will zurück in ihre Heimat. Die eine Schwiegertochter bleibt in ihrem Land. Aber Rut lässt nicht von ihrer Schwiegermutter ab. Sie sagt die Worte, die sich viele Paare als ihren Trauspruch aussuchen: „Wo du hingehst, da will auch ich hingehen; wo du bleibst, da bleibe auch ich. Nur der Tod wird dich und mich scheiden.“

Das sind liebevolle Worte. Rut hält ihr Versprechen. Sie geht mit ihrer Schwiegermutter Noomi in deren Heimat und wird dort einen Mann aus Noomis Familie heiraten. Sie bleibt, wo ihre Schwiegermutter lebt.

„Wo du hingehst, da will auch ich hingehen.“ Für mich drückt das aus, dass zwei Menschen wissen: Wir gehören zusammen. Egal was passiert, wir sind füreinander da.

Außerdem finde ich schön: Hier sieht die Beziehung zwischen Schwiegertochter und Schwiegermutter mal anders aus. Noomi ist nicht der „Schwieger-Tiger“, die der Frau ihres Sohnes das Leben zur Hölle macht. Sondern eine geliebte Schwiegermutter. Man heiratet ja nicht nur den geliebten Menschen. Man heiratet auch dessen Familie. Im guten Fall gewinnt man dabei Menschen dazu, die bedingungslos zu einem stehen, egal wo man hingeht und wo man bleibt.

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