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Ebenbilder Gottes sein
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Ebenbilder Gottes sein

Marcus C. Leitschuh
Ein Beitrag von

Marcus C. Leitschuh,

Katholischer Religionslehrer und Autor, Kassel
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Menschen sind ein Ebenbild Gottes. Das ist eine starke Aussage, die da in der Bibel steht. Für die Gegenwart bedeutet das: Sie am Radio und ihre Nachbarn. Ihre Freunde. Und Ihre Feinde. Wir in Deutschland und die in China und Brasilien. Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Religionen sind Ebenbilder Gottes. Diese Aussage war den biblischen Autoren so wichtig, dass sie gleich am Anfang der Bibel steht. In der Schöpfungserzählung. Da heißt es: „Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! […] Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie.“ Was hat es mit diesem „Ebenbild“ auf sich? Als vor rund 3000 Jahren die ersten biblischen Erzählungen aufgeschrieben wurden, gab es Abbilder nur von Herrschern. Sie verteilen Statuen und Büsten von sich. Und nun erklärt die Bibel den Menschen, dass Gott sie als eigenes Abbild erschafft. Blicke ich also Nachbarn, Freunde und Feinde an, sehe ich immer auch weitere Ebenbilder Gottes. Ich weiß, das ist schwer vorstellbar, manchmal vielleicht sogar schwer zu ertragen. Diese Schöpfungsidee Gottes übersteigt menschliche Vorstellungskraft. Damit nicht genug. Christen glauben: Wir tragen alle Gott in uns. Durch uns wird Gott sichtbar. So verschieden die Menschen sind, so verschieden ist Gott. Wir sehen in der Buntheit der Menschen, wie farbenfroh Gott ist. Was wir aus dieser Erkenntnis machen, liegt an uns. Ich finde, dieses Gottes- und damit Menschenbild stellt eine wesentliche Frage: Dürfte und könnten es eigentlich Kriege geben, wenn mehr Menschen das glauben würden? Wären Hass und Neid nicht überwindbar, würden Menschen alle Mitmenschen als gleichwertige Geschöpfe Gottes sehen? Das in Erinnerung zu rufen und im Alltag zu leben, könnte für mehr Frieden sorgen. Im Großen, aber auch im kleinen Alltagsmiteinander. Probieren Sie es aus: Wenn sie dem nächsten Menschen begegnen, sehen sie in seiner Vielfalt die Vielfalt Gottes. Sehen Sie diesen Menschen als Ebenbild Gottes.

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