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documenta 14: Der Obelisk
Bildquelle: medio.tv/schauderna

documenta 14: Der Obelisk

Susanna Petig
Ein Beitrag von

Susanna Petig,

Evangelische Pfarrerin, Kirchspiel Gensungen, Felsberg /Eder
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Den Kasseler Königsplatz ziert zur Zeit ein Obelisk, 16 Meter hoch. Ein Kunstwerk im Rahmen der documenta 14.

„ICH WAR EIN FREMDLING UND IHR HABT MICH BEHERBERGT“ steht darauf – auf Deutsch, Englisch, Türkisch und Arabisch.

Eine Botschaft für die ganze Welt also, so verstehe ich das mit den verschiedenen Sprachen.
Der Künstler stammt aus Nigeria und heißt Olu Oguibe. Er erinnert mit seinem Werk an die Opfer des schlimmen Biafra-Krieges Ende der 70er Jahre, und auch an die humanitäre Hilfe, die die Überlebenden bekommen haben.
Er wählt dabei ein Zitat aus der Bibel, aus dem Neuen Testament (Matthäus, Kap. 25, Vers 35c).
In einem Gleichnis: Jesus erzählt, was Menschen vor Gott auszeichnet.
Es ist die Nächstenliebe - Hungernden zu essen geben, Kranke und Gefangene besuchen, Fremde gastfreundlich aufnehmen.
Also kurz gesagt: Helfen, wenn jemand in Not ist.

Dass mir dabei heute die vielen Flüchtlinge einfallen, ist vermutlich kein Zufall, sondern vom Künstler beabsichtigt. Denn von den Beispielen für Nächstenliebe, die Jesus anführt, wählt Oguibe ja ausgerechnet die Hilfe für Fremdlinge in Not.
So verbindet er quasi die Situation damals, beim Biafra-Krieg, mit der heute.

Sein Kunstwerk schillert zwischen Anerkennung der humanitären Hilfe damals und heute – und  ist auch Aufforderung, mit den Bemühungen nicht aufzuhören.
Niemand kann etwas dafür, in welchem Teil der Erde er oder sie geboren wurde – oder in welche Verhältnisse hinein.
Sollten wir nicht also füreinander sorgen?

Gleichzeitig stellt Oguibe mit seinem Obelisken den christlichen Glauben in den Blick. Sein Zitat aus der Bibel lässt mich spüren, wie wohltuend Hilfe, tätige Nächstenliebe ist. Auch, wenn sie manchmal nur unvollkommen sein kann, weil meine Möglichkeiten ja oft auch nur begrenzt sind.
Wichtig ist sie trotzdem: Die Hilfe, die Liebe.

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