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Die UNO und der Respekt
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Die UNO und der Respekt

Stephan Krebs
Ein Beitrag von

Stephan Krebs,

Pfarrer, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Darmstadt
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Vor zwei Monaten begann die Maskenpflicht. Von Anfang an war klar: Mit einer Stoffmaske schütze ich mich in erster Linie nicht selbst vor dem Coronavirus, sondern die anderen. Die wiederum schützen mich. Ein ganz einfacher Gedanke. Zusammen geht es besser. Es reicht nicht, wenn jeder nur an sich selbst denkt.

Das gilt nicht nur zwischen einzelnen Menschen, sondern auch zwischen Staaten. Zusammen geht es besser. Mit gemeinsamen Regeln, mit Respekt voreinander. Wenn man die eigenen Interessen und die Interessen der anderen zusammendenkt, kann für alle Beteiligten etwas Besseres herauskommen.

75 Jahre Charta der Vereinten Nationen

Das hatten vor 75 Jahren viele verstanden. Sie hatten den nationalsozialistischen Wahn und die Gräuel des Zweiten Weltkriegs unmittelbar vor Augen. Unter diesem Eindruck unterzeichneten 50 Staaten die Charta der Vereinten Nationen. Das geschah heute vor 75 Jahren, am 26. Juni 1945. Ziele dieser Charta waren: Frieden und Sicherheit wahren, freundschaftliche Beziehungen zwischen Nationen fördern und für möglichst alle Menschen einen besseren Lebensstandard und die Menschenrechte sichern. Künftig sollte kein Staat mehr ungestraft seine eigenen Interessen mit Gewalt gegen andere durchsetzen, kein stärkerer sollte einen schwächeren unterdrücken können.

Einander mit Respekt begegnen

Das ist ein historischer Schritt, denn davor hatte weithin das Recht des Stärkeren gegolten. Klar: das neue Denken funktioniert nicht überall und nicht immer. Bis heute setzen sich einzelne Staaten darüber hinweg. Auch die Vereinten Nationen als Institution sind noch am Üben. Dennoch ist die Welt seitdem ein bisschen weniger ungerecht und weniger gewalttätig. Die Idee ist jedenfalls gut: Einander mit Respekt begegnen.

Dieses neue Miteinander hätte eigentlich das Christentum in die Menschheitsgeschichte eintragen müssen. Stattdessen sind viele Kirchen entstanden – und manche von ihnen haben sich ganz fest mit einer Nation und einem Volk verknüpft. Wenige tun das sogar heute noch. Das verengt den Blick und wird dem christlichen Anliegen, so scheint es mir heute, nicht wirklich gerecht.

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

Eine Frage, mit der sich einige Propheten des Alten Testaments und auch die junge Bewegung der Christen beschäftigte, war diese: Was denkt Gott über die Vielfalt der Menschen und Völker? Diese Frage hat der Apostel Paulus klar beantwortet: „Gott interessiert sich nicht nur für bestimmte Menschen, sondern für alle. Für ihn spielen Nationalität, Geschlecht und kulturelle Herkunft keine Rolle mehr. Für Gott zählt nur, ob sich jemand Gott anvertraut und sein Leben zu einem Zeugnis der Liebe Gottes macht. Die Grundregel dafür war und ist ganz einfach: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

Das Prinzip Respekt

Das Doppelgebot der Liebe. Doppel, weil es die Liebe zu den anderen mit der Liebe zur eigenen Person verknüpft. Daraus ergibt sich mein Respekt für sie und ihr Respekt für mich – wie bei den Masken, die nun alle tragen. Ich trage sie zum Schutz der anderen. Und die anderen tun das zu meinem Schutz. So funktioniert das Prinzip Respekt. Oder wie ich es als Christ sage: Das Prinzip Nächstenliebe.

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