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Die Hände meiner Großmutter
Bildquelle Pixabay

Die Hände meiner Großmutter

Ein Beitrag von

Alrun Kopelke-Sylla,

Pfarrerin, Echzell

An die Hände meiner Großmutter erinnere ich mich noch sehr gut. Wenn sie mir vorgelesen hat, habe ich oft auf ihre Hände geschaut, die das Buch hielten. Ich war fasziniert von den Falten ihrer Haut, die sich dabei so zierlich bewegten. An der rechten Hand, wo sie immer ihre Ringe trug, hatten die Finger tiefe Kerben, als wäre das Leben drum herum gewachsen. Ich weiß nicht, ob meine Großmutter ihre Hände schön fand, aber ich liebte sie. Wie oft haben mich diese Hände gestreichelt! Und wie oft haben sie mir Schokolade oder andere liebe Dinge zugesteckt. Ich hätte diese Hände unter Tausenden von Händen wiedererkannt!

Hand in Hand, jung und alt, das kann so schön sein. Das Zusammenleben der Generationen ist aber auch eine Herausforderung. Das wusste man schon zu biblischen Zeiten. Das erste Gebot aus den 10 Geboten, das eine Verheißung hat, ist dieses: "Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass Dir’s wohlgehe und du lange lebest auf Erden." (5. Mose, 5,16)

Diese Verheißung ist eigentlich ganz logisch. Wer seine Eltern ehrt (steht da nicht!), hat selbst gute Chancen, später gut behandelt zu werden. Nun gelingt das nicht immer und mancher fragt sich vielleicht: Heißt das, das ich zum Beispiel alle bösen Sprüche meiner Eltern ertragen muss? Nein, denn auch die Eltern sollen ihre Kinder respektvoll behandeln: "Ihr Väter reizt eure Kinder nicht zum Zorn" (Eph 6,4). Beide Seiten sollen zu einem friedlichen Zusammenleben beitragen und einer den anderen achten.

Und wie kann das gehen, heute? Respekt ist die Grundlage für alles. Respekt heißt, dass ich andere Meinungen oder Lebensformen akzeptiere, auch wenn ich sie nicht gutheiße. Ich darf aber auch Respekt vor den Grenzen der Belastbarkeit der mittleren Generation haben. Oft ist eine Unterbringung im Pflegeheim tatsächlich die beste Lösung. Trotzdem kann die Beziehung liebevoll sein. Manchmal bleibt am Ende nicht viel mehr, als dass wir unseren alten Eltern die Hand halten.
 

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