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Das Gute der Corona-Krise soll bleiben
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Das Gute der Corona-Krise soll bleiben

Irmela Büttner
Ein Beitrag von

Irmela Büttner,

Evangelische Pfarrerin, Offenbach-Bieber
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Die Wochenzeitung „Die Zeit“ macht jeden Tag eine Umfrage auf ihrer Online-Seite, wie es ihren Leserinnen und Lesern geht. Meistens geht es ungefähr der Hälfte gut und der anderen Hälfte nicht so gut. Die Redakteure rechneten damit, dass es während der Coronakrise vielen Leuten schlechter gehen würde. Doch sie waren erstaunt zu merken: Vielen Lesern ging es auf einmal besser als in den Monaten davor. Sie haben einige gefragt, um herauszufinden, warum.

Die positiven Effekte der Corona-Krise

Eine junge Frau erzählt, sie hatte auf einmal vielmehr Zeit mit ihrem Mann und hat das sehr genossen. Ein Mann erzählt, er musste nun nicht mehr jeden Tag pendeln. Ein autistisches Mädchen erzählt, die Welt um sie herum war ruhiger und sie konnte sich so viel besser konzentrieren. Eine Frau erzählt, sie ist eh eine Person, die gerne zuhause ist. In der Coronakrise hat sie sich endlich nicht mehr alleine gefühlt. Selbst Kurzarbeit tat dem Wohlbefinden keinen Abbruch. Viele hatten zwar auf einmal weniger Geld, aber sagten auch, dass die positiven Effekte überwiegten, nämlich auf einmal mehr Zeit zu haben.

Ich weiß, es sind längst nicht alle, denen es durch die Krise besser geht. Viele haben große Probleme, persönliche und wirtschaftliche. Niemand darf das wegreden. Doch trotzdem lohnt es sich, die guten Effekte anzuschauen.

„Wenn wir Glück haben, kommt es zu einer Art Relevanzverschiebung."

Der Soziologe Hartmut Rosa hat lange vor der Corona-Krise ein Buch über Entschleunigung geschrieben und einiges ist in der Krise dann wirklich entschleunigt worden. Doch Rosa macht sich keine Illusionen: Das wird nicht so bleiben, das Leben wird wieder schneller werden. Aber es kann etwas Positives bleiben. Wörtlich sagt er: „Wenn wir Glück haben, kommt es zu einer Art Relevanzverschiebung. (...) Dass wir in zwei Jahren sagen: Da gab es einmal ein paar Wochen, da lebte ich anders, da hatte ich ein anderes Verhältnis zu meiner Umgebung, zu dem Haus, in dem ich wohne, zu meinem eigenen Körper, zu den Menschen um mich herum. Als Erinnerung könnte das sehr wertvoll für uns sein.“ Soweit der Soziologe Rosa.

Alte Kraftquellen neu entdeckt

Ich merke schon jetzt: Es tut mir gut, die Dinge in meiner Nähe intensiv zu erleben. Es hat auch meinem Glauben gut getan. Ich habe viele Kraftquellen wieder entdeckt, die ich vorher kaum noch wahrgenommen hatte. Ruhe zwischen Terminen zum Beispiel, mehr Zeit zum Gebet, mehr Zeit, mich von anderen Menschen inspirieren lassen, selbst wenn ich sie nicht persönlich sehe.

Das hat mir trotz aller Herausforderungen gut getan, es lässt mich mit Vertrauen in die Zukunft blicken.

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