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Anne Frank ehren!

Anne Frank ehren!

Verena Maria Kitz
Ein Beitrag von

Verena Maria Kitz,

Katholische Pastoralreferentin in St. Michael, Zentrum für Trauerseelsorge, Frankfurt
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Vor 75 Jahren ist sie gestorben, um diese Zeit im Jahr. Ich denke an Anne Frank, das jüdische Mädchen aus Frankfurt. Ihr Tagebuch, das hat mir und vielen anderen das Schicksal der Juden in der Nazizeit so nah gebracht. Vor 75 Jahren ist sie gestorben, im Konzentrationslager Bergen-Belsen, krank, elend, bis auf die Knochen abgemagert.

Jetzt in diesen Wochen denke ich besonders an sie: Auf meinem Weg zur Arbeit fahre ich oft durch den Marbachweg, da steht ihr Geburtshaus. Ich denke auch an das Hinterhaus in Amsterdam, wo sich die Familie nach der Flucht aus Deutschland versteckt hielt. Ich war mal da, an einem strahlend schönen Sommertag. Stand hinter den verdunkelten Fenstern und habe versucht mir vorzustellen, wie das gewesen sein muss: abgeschnitten vom Licht, von frischer Luft und Sonne, in Angst und Anspannung. Bis das Schlimmste eintrat und sie und ihre Familie ins KZ und damit in den Tod verschleppt wurden.

Ich will in diesen Tagen an sie denken, an sie und die vielen jüdischen Mitbürger und Mitbürgerinnen, die gedemütigt, in KZs getrieben und umgebracht wurden. Gerade in einer Zeit, in der Rechtsextreme in der Politik und mitten unter uns sich breitmachen. Und es wagen, Menschen mit anderer Hautfarbe, Herkunft oder Religion schlechtzureden und Hass zu verbreiten. Ihnen muss der Staat Einhalt gebieten. Und ich finde, auch jede und jeder Einzelne von uns.

Im letzten Jahr erschien Anne Franks Tagebuch neu - in einer noch von ihr selbst überarbeiteten Fassung:  als Romanfragment unter dem Titel: „Liebe Kitty“. Ihre Gedanken und Empfindungen rütteln auf. Ihr Vater, der als Einziger das KZ überlebt hat, hat genau das in einem Brief an junge Leser formuliert. Er schreibt: „Ich hoffe, dass Annes Buch eine Nachwirkung in deinem späteren Leben haben wird, dass du, soweit es in deinem Kreis möglich ist, für Verständigung und Frieden arbeiten wirst.“

Ich bin nicht mehr jung, aber in diesen Tagen lese ich wieder die Texte von Anne Frank: Damit sie mich aufrütteln und antreiben: dem Hass zu widersprechen und mich, wie Annes Vater wünscht, einzusetzen: für Verständigung und Frieden.

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