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Vom Wut-Ausbruch zum Mut-Ausbruch
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Vom Wut-Ausbruch zum Mut-Ausbruch

Andrea Weitzel
Ein Beitrag von

Andrea Weitzel,

Katholische Schulseelsorgerin und Religionslehrerin, Hanau
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Und wieder Montag! Zum Start in die Arbeitswoche schickt mir eine liebe Freundin einen Song aufs Telefon. Und so höre ich seit langem wieder einmal „I don´t like Mondays“. Geschrieben von Bob Geldof für seine Band, die „Boomtown Rats“, Ende der 1970er Jahre. In dem Stück heißt es: Tell me why? I don´t like Mondays! Sag mir warum? Ich mag keine Montage!

Heute höre ich einmal bei den Strophen genauer hin. Ich merke, dass da irgendetwas nicht so recht passt. Ich finde heraus, dass Bob Geldof viel tiefere Beweggründe für diesen Songtext hatte. Ein 16jähriges Mädchen hatte an einem Montag mit einem Gewehr auf ihre Schule geschossen. Ihre Antwort darauf, warum sie das tue – sei schlichtweg „I don´t like Mondays“ gewesen. Ich mag keine Montage!

Da muss sich viel Wut angestaut haben in diesem Mädchen. Gott-sei-Dank eskaliert nicht jeder Wut-Ausbruch in dieser Form. Und doch brechen sich Wutgefühle – manchmal schon wegen Kleinigkeiten – ihre Bahn. Das kenne ich leider auch von mir selbst!

Und selbst mit Jesus geht die Wut durch. Die Bibel berichtet von einer Begebenheit aus dem Tempel in Jerusalem. Dort stürzt Jesus wutentbrannt die Tische der Geldwechsler um. Ein Haus des Gebetes soll der Tempel sein!

In dieser Handlung Jesu sehe ich keine Rechtfertigung für Gewalt. Vielmehr möchte ich einen ganz anderen Blick auf die Wut wagen: Wut ist ein sehr intensives Gefühl. Sie sprüht vor Energie. Ganz tief unter der Wut aber liegen oft Bedürfnisse. Dinge, die man eigentlich zum Leben braucht, die jedoch gerade vernachlässigt sind.

Und bei Jesus? Der Jerusalemer Tempel war damals weitaus mehr als ein religiöses Zentrum. Er vereinte die komplette politische und wirtschaftliche Macht. Der von der Priesterschicht etablierte Tempelkult tat sein Übriges: Wer ein Opfer darbringen wollte, brauchte dafür die richtige Währung – und dafür die Geldwechsler. Demgegenüber war das Umstürzen einiger Tische doch eher eine symbolische Handlung. Jesus setzt also eher ein Zeichen gegen das vereinte System der Macht. Seine Vorstellung von einem Haus Gottes ist eine andere. Für die tritt er ein! Darin sehe ich Jesu eigentliche Beweggründe für seinen Wut-Ausbruch.

Vom WUT-Ausbruch komme ich zum MUT-Ausbruch. Gefunden habe ich im Internet-Blog  www.happyroots.de  - auf deutsch: „Glückliche Wurzeln“. Dieser Blog empfiehlt, einen WUT-Ausbruch in einen MUT-Ausbruch zu verwandeln. Der Weg dahin klingt einfach: Zuerst wirklich verstehen, woher die Wut kommt. Welche unterdrückten Bedürfnisse und Sehnsüchte brodeln unter ihrer Oberfläche? Sind diese enttarnt, kann in einem zweiten Schritt die freiwerdende Energie der Wut direkt in die Erfüllung der Bedürfnisse gelenkt werden. Diese Energie wird positiv eingesetzt und nicht destruktiv. So entsteht schließlich ein mutiger Einsatz für das eigene Selbst – ein MUT-Ausbruch!

Meines Erachtens tut Jesus genau das! Und manchmal setzt er eben deutliche Zeichen, wie hier bei seiner Aktion gegen die Geldwechsler. Entschieden geht er seinen Weg. Bis er deswegen am Ende umgebracht wird.

I don´t like Mondays. Das Hochsteigen der Wut in mir kenne ich. Ich nehme mir vor: Das nächste Mal werde ich die Wut in einen MUT-Ausbruch verwandeln. Verwandeln für das, worin die Erfüllung meines Lebens eigentlich wurzelt. Letztlich ist das mein Glaube. Dafür brauche ich weder Waffen noch Tische im Tempel. Aber ganz viele MUT-Ausbrüche! Gleich am heutigen Montag!

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