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Verkehrssünderdatei
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Verkehrssünderdatei

Dr. Fabian Vogt
Ein Beitrag von

Dr. Fabian Vogt,

Evangelischer Pfarrer in der Öffentlichkeitsarbeit, Darmstadt

Moderator/in: Dieses Jahr wird sie 60 Jahre alt: die deutsche Verkehrssünderkartei in Flensburg, in der ja viele von uns fleißig Punkte sammeln. Und weil der Begriff „Sünde“ eigentlich kirchlich ist, dachte ich mir, ich frage mal Fabian Vogt von der evangelischen Kirche: Ist denn eine Verkehrssünde wirklich eine Sünde?

Das kommt darauf an. Ich denke mal: Ein Parksünder ist eher harmlos, wenn aber jemand illegale Autorennen fährt, massiv drängelt oder Einsatzkräfte behindert, weil er keine Rettungsgasse bildet, dann macht er sich natürlich schuldig. Wobei: Wenn wir wirklich theologisch über Sünde sprechen wollen, dann müssten wir vor allem fragen: Warum handelt jemand so verantwortungslos?

Das must Du mir erklären.

Ich sag mal so: Verkehrsregeln wollen Leben schützen. Und wenn jemand rücksichtslos fährt und sich und andere dadurch gefährdet, dann heißt das ja, dass er noch nicht begriffen hat, wie kostbar das Leben ist. Und was es bedeutet, liebevoll mit sich und anderen umzugehen. Diese fehlende Liebe, die bezeichnet die Bibel als Sünde. Sprich: Sünde bekämpfen, heißt nicht „Punkte verteilen“, sondern den Menschen zeigen: Fangt an zu lieben! Es lohnt sich.

Also gibt es im Himmel keine Verkehrssünderkartei?

Jesus würde sagen: Gottes Gnade ist größer als alle Punkte, die jemand im Leben sammeln kann. Sprich: Den Führerschein kann man einem Menschen entziehen, aber nicht die Liebe Gottes. Und wer für sich erkannt hat, was das für eine befrei-ende Botschaft ist, der fängt von selbst an, liebevoller zu handeln – oder zu fahren. Was vermutlich auch dazu führt, dass er weniger Punkte in Flensburg sammelt.

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