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Sturheit mit Stil
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Sturheit mit Stil

Christoph Schäfer
Ein Beitrag von

Christoph Schäfer,

Katholischer Religionslehrer, Rüsselsheim
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Natürlich bin ich von primitiven Sturköpfen oft genervt. Etwa beim Autofahren: Immer wieder funktioniert Einfädeln nicht, weil jemand glaubt, dass er die Straße gepachtet hat. Lästig finde ich auch Dickköpfe, die beim Einkauf unbedingt bei Kleinigkeiten Recht behalten wollen. Und, wie man so schön sagt, den Laden aufhalten.

Aber es gibt auch eine durchaus charmante Variante von Sturheit. Meist ist sie eine kluge Mischung aus Bockigkeit und Selbstironie. In einem Brief trifft Theodor Fontane diesen Zwischenton perfekt: Er arbeitet damals wie besessen an seinem ersten Romanmanuskript. Als sich die Frage stellt, ob er jemals fertig werden würde, schreibt er seinem besorgten Verleger: „Der Roman darf nicht ungeschrieben bleiben. Die Welt würde es freilich verschmerzen können, aber ich nicht!“

Ich finde es stilvoll, wie sich Fontane hier einerseits bescheiden ins Weltgeschehen einsortiert. Und andererseits mit einer gewissen Sturheit sein Ziel verfolgt. Der Verleger musste übrigens noch viele Jahre auf das Manuskript warten. Aber: Es kam. Fontane ließ sich allerdings definitiv nicht hetzen.

Vielleicht mag ich das Zitat so, weil ich oft genau diese Balance zwischen Selbst-Zurücknahme und Selbstbewusstsein suche. Und feststelle, dass mir das nicht leichtfällt. Ein Alltagsbeispiel, das perfekt zum heutigen Freitag passt: die Wochenendplanung. Da frage ich mich oft: Werde ich den Wünschen der anderen gerecht? Und finde ich trotzdem die Gelegenheit, das zu machen, was ich schon lange tun wollte? Soll ich auf den Tisch hauen, um mich nicht verplanen zu lassen? Oder ist das zu egoistisch? Bei solchen Grübeleien gerät manchmal die Balance aus dem Blick: Ich schalte entweder radikal auf stur und es gibt Streit. Oder ich gebe mich geschlagen – und habe das Wochenende über einen Groll.  Weil ich nicht stur genug gewesen bin.

So gesehen, ist der Fontanesatz eine Orientierungshilfe. Denn ich merke: Einerseits brauche ich eine Portion Sturheit, wenn ich nicht völlig fremdbestimmt sein will. Andererseits ist Sturheit eben auch eine Stilfrage. Ich nehme mir vor, in diesem Sinne an einem sozialverträglichen Sturheit-Stil zu feilen. Dazu gehört: Mich selbst ernst nehmen – aber nicht für den Mittelpunkt der Welt zu halten.

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