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Rat - eine Gabe des Heiligen Geistes
Fitzkes/GettyImages

Rat - eine Gabe des Heiligen Geistes

Andrea Seeger
Ein Beitrag von Andrea Seeger, Evangelische Theologin und Redakteurin der Evangelischen Sonntags-Zeitung
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„Guter Rat ist teuer“ heißt ein Sprichwort. Damit ist nicht das Finanzielle gemeint. Guter Rat ist vielmehr ideell kostbar, von hohem Wert, schwer erhältlich.

Ein guter Rat ist nicht immer gut gemeint

Ein guter Rat bedeutet nicht, dass einem jemand nach dem Mund redet. Das haben wahrscheinlich viele Menschen schon beobachten können – bei der Arbeit zum Beispiel. Mitarbeiter wollen sich in eine gute Ausgangsposition bringen. Deshalb geben sie keinen ehrlichen Rat, sondern loben den Chef oder die Chefin über den grünen Klee, wo es rein objektiv betrachtet nichts zu loben gibt. Sie kalkulieren, schielen auf eigene Vorteile. Das ist menschlich. Der Ehrliche kann im Berufsleben schon mal der Dumme sein.

Lob hört man lieber als Tadel

Im Privatleben sollte das anders sein. Eine Freundin ist dann gut, wenn sie mir den Kopf wäscht, mir auch mal ans Bein tritt, wenn es nötig ist. Die Unbequemes sagt, auch wenn es nicht auf Beifall stößt. Und die umgekehrt das Gleiche schätzt. Das ist auf beiden Seiten nicht leicht auszuhalten. Denn natürlich sind die meisten Menschen ein bisschen eitel. Und Lob höre auch ich lieber als Tadel.

Doch guter Rat hat eben eine andere Qualität als Schönreden. Es handelt sich dabei quasi um eine Dienstleistung. In alter Zeit umfasste ein Rat noch mehr. Er war Schutz, Fürsorge, Anweisung und Belehrung.

Ein guter Rat kann auch weh tun

Guter Rat bringt mich weiter. Und vor allem ist der Ratgeber immer da, wenn ich ihn brauche, rät nicht nur, sondern tröstet, hat mich gern trotz meiner Fehler. Und bleibt auch in schlechter Zeit. Schon in der Bibel heißt es : „Mancher ist Freund je nach der Zeit, am Tag der Not hält er nicht stand.“ (Jesus Sirach 6,8)
Und wer einen Rat empfängt, der ist hoffentlich nicht beleidigt, wenn er einen guten Rat bekommt - tut er auch weh.

Ich lasse mir gerne raten von Menschen, die es ernst meinen mit mir. Deren Medizin zwar nicht immer schmeckt, die aber langfristig wirkt. Und ich wünsche mir, wenn ich um Rat gebeten werde, mehr Mut zu haben, Dinge beim Namen zu nennen und nicht stillschweigend darüber hinweg zu gehen, weil es einfacher ist.

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