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Heute: Verkündigung des Herrn
Bild: Mariäe Verkündigung / pixabay

Heute: Verkündigung des Herrn

Andrea Weitzel
Ein Beitrag von

Andrea Weitzel,

Katholische Schulseelsorgerin und Religionslehrerin, Hanau
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Zeiten voller Hochzeiten nebst den dazugehörigen Planungen, dann irgendwann Schwangerschaften: eine erwartete gerade immer ein Kind. Diese Phase liegt nun schon einige Jahre in meinem Freundeskreis zurück. Wunderbare Zeiten waren das, die mit vielen Gefühlen, prägenden Erfahrungen und gemeinsamer Freude verbunden waren. All das schweißte uns zusammen. Aber was war mit den Paaren, die einfach keine Eltern werden konnten? Manchmal, wenn das oft lange Schweigen endlich gebrochen war, warteten wir miteinander – von Monat zu Monat – auf die Verheißung einer Schwangerschaft. Wie sehr habe ich mir da für gleich mehrere Freundinnen gewünscht, dass es endlich hieße: Du wirst ein Kind empfangen!

Du wirst ein Kind empfangen! Diesen Satz hört, wer heute einen Gottesdienst besucht. Es ist der 25. März – Tag des kirchlichen Festes "Verkündigung des Herrn" – oder älter: "Mariäe Verkündigung". Gefeiert wird der Moment, an dem Maria erfährt, dass sie ein Kind erwarten wird. Diese Nachricht trifft Maria unvorbereitet in der Gestalt des Engels Gabriel. Unvorbereitet vor allem, weil Marias Zusammenleben mit ihrem Verlobten Josef eine Schwangerschaft noch gar nicht hergäbe. Gabriels Antwort darauf ist, dass Gottes Geist über sie kommen werde. Und Maria willigt ein und lässt sich ein auf das, was Gott mit ihr vorhat. So schildert es das biblische Evangelium nach Lukas.

Du wirst ein Kind empfangen! Der gleiche Satz – sehnsüchtig erwartet von den einen – unerwartet in den Ohren der anderen. Und dazwischen liegen mehr als 2000 Jahre, in denen sich die Bedeutung von Elternschaft und Kinderwunsch immer wieder stark gewandelt und mit anderen Zielen und Gründen verbunden hat.

Wie Jesus Christus seinen Weg auf die Welt finden würde, war im Christentum von Anfang an wichtig. Und was vor 2000 Jahren ein weitverbreiteter Gedanke war, das lässt heute viele Menschen ungläubig die Stirn runzeln: Besondere Personen kommen unter besonderen Bedingungen auf die Welt. In der Antike waren daher weder eine göttliche Zeugung noch eine Jungfrauengeburt etwas Ungewöhnliches. Dass dies auch für Jesus erzählt wurde, darin zeigte sich vielmehr, wen man damit bezeugte: den Sohn Gottes.

Überraschend an Jesu Empfängnis war für damalige Ohren eher etwas anderes: Maria lebte in Nazareth, einer kleinen und ziemlich unbedeutenden Stadt auf dem Land. Weit entfernt von Jerusalem und Rom, dem religiösen bzw. politischen Machtzentrum. Marias Umfeld nahm daher programmatisch Jesu späteren Einsatz für die gesellschaftlich Benachteiligten vorweg. Ein König, dessen Reich sich eben nicht in politischer Macht ausdrückte. Und diese im Glauben erzogene, aus bescheidenen Verhältnissen stammende junge Frau Maria machte das möglich.

Sicherlich gäbe es noch vieles aus theologischer oder kirchengeschichtlicher Sicht zu sagen. Mit der Erinnerung an meine Freundinnen sind es jedoch andere Fragen, die mich heute bewegen: Ich frage mich, wie hört eine Frau, deren Kinderwunsch unerfüllt bleibt, dieses "Du wirst ein Kind empfangen"? Welche Gefühle löst das aus?

Mir wird bewusst, dass im heutigen Festtag Mariä Verkündigung eine Chance läge: Die Chance, die Situation von ungewollt kinderlosen Frauen in den Mittelpunkt zu stellen. Ihr Schweigen, ihre Trauer, ihre Wut, … zur Sprache zu bringen, auszuhalten und mitzutragen. Ihnen auf diese Weise zu zeigen, dass sie nicht allein sein müssen. Ihnen eine Hand reichen in ihre Zweifel und Verzweiflung hinein. Antworten auf ihre Situation müssen und werden diese Frauen selbst finden mit ihren Partnern. Jedenfalls haben meine Freundinnen das. Jede hat auf ihre Weise Entscheidungen getroffen, Lebensmöglichkeiten entfaltet. Ihnen allen möchte ich heute einfach mal sagen: Für mich gehört dieser Festtag euch!

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