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Freiheit im Glauben
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Freiheit im Glauben

Charlotte von Winterfeld
Ein Beitrag von

Charlotte von Winterfeld,

Evangelische Pfarrerin, Frankfurt

Eine Zeitreise ins frühe 16.Jahrhundert. Schwarzgekleidete Reiter galoppieren durch einen Wald. Bedrohlich sehen sie aus. Sie verfolgen im Namen der damaligen katholischen Kirche Menschen, die anders denken. So beginnt der Film „Storm und der verbotene Brief“, der dieses Jahr passend zum Jubiläumsjahr der Reformation herausgekommen ist. Die Handlung spielt in der belgischen Stadt Antwerpen, damals eine der wirtschaftlichen und kulturellen Metropolen Europas. In Antwerpen befanden sich die neuen Medien des damaligen Zeitalters: Druckereien, die aus einzelnen Buchstaben Druck-Platten hergestellt haben. Damit haben sie auf Holzpressen Bücher und Flugblätter gedruckt.

In einer solchen Druckerei, bei seinem Vater, arbeitet auch Storm, der zwölfjährige Held dieses Films. Eines Tages taucht dort ein Mönch aus Sachsen auf. Ihn verfolgen die schwarzen Ritter vom Anfang des Films, losgehetzt vom grausamen Groß-Inquisitor. Warum? Der Mönch hat einen Brief von Martin Luther bei sich, dem Querdenker und Reformator. Der Groß-Inquisitor fürchtet: „Dieser Brief wird die Menschen vom wahren Glauben abbringen. Er darf also nicht gedruckt werden!“ Anderen gibt dieser Brief Stärke im Kampf für die Freiheit im Glauben. Sie setzen alles daran, dass möglichst viele Menschen ihn lesen können.

Storms Vater wird dabei erwischt, wie er diesen Brief von Martin Luther druckt. Er wird ins Gefängnis gesteckt und gefoltert. Aber sein Sohn Storm kann mit der Druckplatte fliehen. Immer wieder sind die Ritter des Inquisitors hinter ihm her. Am Ende schafft er es mit seiner Freundin Marieke, den Brief heimlich zu drucken und überall in der Stadt als Flugblatt aufzuhängen. Die Menschen lesen den Text und sind dann bereit, für ihre Freiheit zu kämpfen. Die Handlung ist erfunden, aber es gibt viele reale Anhaltspunkte.

Erst am Ende erfahren die Zuschauer des Films, was Martin Luther geschrieben hat. Zum Beispiel: „An alle guten Menschen von Antwerpen … Die einzige Wahrheit ist der Glaube an Jesus Christus… Kein Mensch oder Gegenstand soll seinen Platz einnehmen… Gestattet der Kirche nicht, euch zu unterjochen. Jeder Mensch soll in Freiheit glauben dürfen …Reicht euch die Hände. Tretet dem Unrecht entgegen. Tut es jetzt und keinen Tag später.“

Das sind alles Zitate aus Martin Luthers Schriften. Mir ist durch den Film besonders bewusst geworden, wie gut es ist, frei entscheiden zu dürfen, was und wie ich glaube und denke. Und dass ich dabei allein meinem Gewissen folgen muss. Genau das wollten die Reformatoren: sich selbst eine eigene Meinung bilden und vertreten, nicht einfach glauben, was einem vorgesetzt wird, sondern selbst zum eigenen Glauben finden. Und die Reformatoren waren überzeugt: „Gott achtet jeden Menschen ohne irgendeine Leistung. Keiner darf in Glaubensfragen über den anderen bestimmen.“

Das sehen katholische Christen heute selbstverständlich genauso. „Jeder Mensch soll in Freiheit glauben dürfen“, schreibt Martin Luther in dem verbotenen Brief. Dass ich heute frei glauben darf, haben andere für mich erkämpft: große Denker und Reformatoren, aber auch mutige Drucker in kleinen Druckereien und viele Menschen, die die Freiheit der Gedanken und des Glaubens weitergetragen haben. Heute möchte ich diesen Menschen unbekannterweise einmal Danke sagen.

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