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Farbe
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Farbe

Anke Zimmermann
Ein Beitrag von

Anke Zimmermann,

Evangelische Pfarrerin, Homberg/Efze
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Neulich stimmte etwas nicht mit meinem Fernseher. Die Farben waren irgendwie sehr grell. Sie waren so bunt, dass es fast schon in den Augen weh getan hat. Aber dank modernster Technik konnte ich das Problem mit der Fernbedienung schnell lösen. Farbfernseher sind toll. Aber sie sind noch gar nicht so alt. Heute vor 50 Jahren wurde das Farbfernsehen in Berlin gestartet. Vorher war alles schwarz-weiß. Das ist heute kaum mehr vorstellbar.

Allerdings gibt es immer noch das schwarz-weiß Denken in vielen Köpfen und das nervt mich sehr. In Diskussionen komme ich dann nicht weiter. Da sagt einer: „So wie ich denke, so ist die Welt und nicht anders. Es gibt die Bösen und es gibt die Guten, das ist ganz einfach. Die Bösen sind immer schuld. Ich weiß es. Ich gehöre zu den Guten.“

„Nein“, sage ich „so einfach ist es gerade nicht in der Welt. Denn unsere Welt ist bunt und  nicht schwarz-weiß.“ Man muss genau hinsehen und Unterschiedliches wahrnehmen. Es gibt viele Zwischentöne im Farbspektrum und oft keine klare Trennung. Sehr deutlich wird mir das, wenn ich einen Streit schlichten soll zum Beispiel bei Kindern in der Schule. Da sagt der eine: „Die ist schuld, die hat angefangen, immer fängt die an.“ „Nein, überhaupt nicht. Der ist schuld, der hat mich zuerst geärgert,“ entgegnet der andere. Meist liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Zu einem Streit gehören immer zwei und meistens haben auch alle zwei Anteil daran, dass es zum Konflikt kommt. Mit einfachen schwarz-weiß Urteilen ist es nicht getan. Nur ein differenzierter Blick hilft weiter, auch auf mich selbst. In der Bibel kommt Paulus, ein großer Theologe zu dem Schluss: „Ich bin Sünder und Gerechter zugleich.“ Das heißt, ich bin nicht nur und immer schuldig und ich bin nicht nur und immer ganz toll. Beides gehört zu mir und noch ganz viel dazwischen. Wo ich in diesem Bewusstsein auf andere zugehe, begegne ich ihnen offener und toleranter!

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