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Fahrt in die falsche Richtung
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Fahrt in die falsche Richtung

Daniel Stehling
Ein Beitrag von Daniel Stehling, Pastoralreferent und Katholischer Religionslehrer, Fulda
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Feierliche Stille. Hunderte Menschen in Schwarz gekleidet. Trauer ist auf ihren Gesichtern abzulesen. Ich bin auf der Beerdigung eines sehr beliebten Pfarrers. Ich bin beeindruckt und bewegt.
Nach dem Gottesdienst gehe ich im langen Trauerzug zum Friedhof mit. Vor meinem geistigen Auge erscheinen Bilder, die mich an den lieben Verstorben erinnern. Situationen und Begegnungen mit ihm werden wieder lebendig. Das erfüllt mich mit tiefer Traurigkeit. Alles ist nun aus und vorbei. Ein mir wichtiger und ein mich prägender Mensch ist nicht mehr da. Für immer.
Völlig gefangen in meinen Gedanken der Trauer bemerke ich kaum, dass wir am Grab angekommen sind und die Beerdigungsfeier weitergeht. Texte und Gebete rauschen an mir vorbei. Dann wird der Sarg durch eine Art Seilzug ins Grab hinabgelassen. Das geschieht ganz langsam. Trotz der vielen Menschen um das Grab herum herrscht Totenstille. In diese Stille hinein tönt plötzlich von einem Handy die Stimme eines Navigationsgerätes. „Sie fahren in die falsche Richtung!“. Ich stehe wie versteinert da. „Was für eine Peinlichkeit“, denke ich. Doch gleichzeitig kommt mir ein anderer Gedanke und zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Für Christen ist dieser Satz in diesem Moment gleichsam ein Aufruf. Bleibe nicht in Trauer! Richte den Blick nicht nach unten! Wende dich dem Himmel zu, dem Licht, der Hoffnung, dem Leben! Ganz konkret heißt das für mich: Trauer um den Verlust eines lieben Menschen ist wertvoll und wichtig. Ich darf aber weiterblicken, hoffen und glauben, dass wir als Christen im Sterben nicht verloren sind. Dass wir einen Platz bei Gott haben und in seiner Liebe geborgen sind. Für mich als Religionslehrer eine echte Nachhilfestunde. Vielleicht ja auch für Sie die Gelegenheit wieder mal zu überprüfen, ob „die Richtung noch stimmt“. Und zwar nicht nur im Straßenverkehr.

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