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Erlaubniszeit
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Erlaubniszeit

Andrea Wöllenstein
Ein Beitrag von

Andrea Wöllenstein,

Pfarrerin im Referat Erwachsenenbildung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Marburg
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Heute hat der Wecker nicht geklingelt. Für die Schülerinnen und Schüler in Hessen ist heute der erste Ferientag. Auch für viele Erwachsene ticken die Uhren langsamer, wenn die Urlaubszeit beginnt. Urlaubszeit ist Erlaubniszeit. Ich kann mir erlauben, ohne Wecker zu Bett zu gehen. Ausschlafen, in Ruhe Frühstücken, aus dem eng getakteten Alltag aussteigen, ohne Plan den Tag beginnen. „Ich hab so gerne Langeweile“, sagt eine Freundin, als wir uns erzählen, auf was wir uns im Urlaub besonders freuen. „Keinen Plan im Kopf  haben, der abgearbeitet werden muss“, sagt sie, „das finde ich herrlich!“
Ehrlich gesagt: Ich hab`s lieber kurzweilig als langweilig. Ich nehme mir gerne etwas vor, habe meinen Plan, auch im Urlaub. Stundenlang am Strand liegen, das war noch nie meins. Aber wie sie das sagt: „Ich hab so gerne Langeweile“  - das hört sich auch verlockend an. Langeweile haben. Eine lange Weile Zeit. Nicht gleich aufspringen, wenn das Telefon klingelt. Einen Gang runter schalten. Nichts müssen. Einfach da sein. Den Vögeln lauschen. Die Sonnenstrahlen spüren auf der Haut oder die Regentropfen. Ohne Plan sein. Ich erlaube es mir. Wer sonst sollte das tun? Ich gönne mir das. Einen Moment der Ruhe und Entspannung. Im Urlaub oder auch mitten im Alltag.

„Es braucht so wenig“  heißt es in einem Gedicht.

Wenig braucht es für den Urlaub.
Nur dies Eine uns erlauben -
Da-Sein, Still-Sein,
sich von Gott einen lassen.
Mögen diese kostbaren
Geschenke uns zuteilwerden! (Brigitte Enzner-Probst)

Dass Urlaub mit Erlaubnis zu tun hat, war mir bisher noch gar nicht aufgefallen. Ich erlaube es mir – das ist ein Zauberwort. Ich gebe mir frei von meinem inneren Antreiber. „Ja, ich tue, was du willst – aber nicht gleich!“ Oft sind es ja gar nicht die anderen oder die widrigen Umstände, die mich daran hindern, das zu tun, was mir gut tut. Sondern das, wovon ich meine, es müsste unbedingt sein, treibt mich hier hin und dort hin. Weg von mir selber und aus meiner Mitte. „Mich von Gott einen lassen.“ Wieder zu mir selber finden. Mich sammeln. Zur Ruhe kommen. Meiner Seele Raum und Zeit geben. Eins werden mit mir selber.

 „Wenn ich eine Weile ohne Plan bin“, sagt meine Freundin, „kommen mir oft die besten Ideen.“ Kreativität braucht Raum, Erlaubnis-Raum. Den erlaube ich mir heute – auch ohne Urlaub!

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