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„Du musst(a) mich abholen - sofort“
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„Du musst(a) mich abholen - sofort“

Ute Klewitz
Ein Beitrag von

Ute Klewitz,

Pastoralreferentin, Mentorin für Lehramtsstudierende mit dem Fach Katholische Theologie an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz
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Heute ist in den USA der Tag des Comics. Die Comics aus dem Superhelden Universum haben meine Söhne und auch ich verschlungen: vor allem auch ihre Verfilmungen. Zu einem dieser Filme gibt es ein besonderes Familienzitat: „Du musst(a) mich abholen - sofort.“ Diese schräge WA-Nachricht hat mir mal mein Sohn David geschickt, und ich muss ganz besonders heute darüber grinsen.

Mein Lieblingssuperheld ist „Dr. Strange“. Als dieser Film ins Kino kam, wollte ich ihn mit meinen Söhnen sehen. Jonathan ist Feuer und Flamme gewesen, während David, mein Pubertierchen, sofort kundgetan hat: „Es ist total uncool, mit seiner Mutter ins Kino zu gehen. Da bring mich lieber zu meinem Cousin.“ Dass Dr. Strange auch zum Superhelden-Universum gehört, hat er damals wohl noch nicht gewusst. Den Weg zum Kino habe ich genutzt, David bei der Verwandtschaft abzusetzen. Die ganze Fahrt über hat er sich über seinen uncoolen Bruder lustig gemacht. Entnervt hat Jonathan dann gesagt: „Ich habe gedacht, du magst die Superhelden.“ Und schon ging ein Wutanfall los: „Dr. Strange ist ein Superheld! Das hast du mir gar nicht gesagt. Du bist böse.“ Ja, ich war die böse Mutter und er der gute David, dem ganz schlimmes Unrecht widerfahren ist. Mit dieser Wut blieb er bei seinem Cousin. Der Film war super. Nach dem Kino waren allerdings auf meinem Handy jede Menge Nachrichten von David: „Du mussta mich abholen – sofort. Du bist so böse.“ In seiner Wut hat er sich verschrieben und einfach nur noch ausgeteilt. Das hat ziemlich gut zum Thema des Films gepasst. Auch für die Superhelden ist die Welt anfangs oft in Gut und Böse aufgeteilt. Aber dabei bleibt es meistens nicht. Die Superhelden entwickeln sich, und damit auch ihre guten und bösen Seiten.

Solche Superhelden gibt es übrigens auch in der Bibel. Da ist zum Beispiel der Abraham, der erst im hohen Alter erwachsen wird, Jakob, der anfangs gerne lügt, und Hiob, der alles verliert. Superhelden, ob in der Bibel oder bei Marvel: Ich glaube, sie zeigen uns Strategien, wie wir Konflikte entspannter, vielleicht auch kreativer lösen können: um so vielleicht ein bisschen erwachsener zu werden. Wenn bei uns heute in der Familie der Satz fällt „Du mussta mich abholen – sofort“, dann grinst auch David.

 

 

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