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Briefe schreiben
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Briefe schreiben

Gabriele Heppe-Knoche
Ein Beitrag von

Gabriele Heppe-Knoche,

Pfarrerin, Leitung Evangelisches Forum Kassel
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Ein Bogen feines Papier. Dazu ein passender Umschlag, gefüttert, und der Füller mit echter Tinte. – Mehr brauchst du nicht, um einen Brief zu schreiben. Rechts oben in die Ecke kommt das Datum, auf die linke Seite die Anrede.
Schon lange habe ich so keinen Brief mehr geschrieben. Als ich jung war, da habe ich das gerne und oft getan. Es war die Möglichkeit mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben. Heute geht das anders. What’s App und Co senden blitzschnell Grüße und Bilder hin und her. Dadurch hat sich die Art und Weise verändert, wie man Gedanken und Gefühle ausdrückt. Die Sätze sind knapp, oft nicht vollständig. Eher wie ein Telegramm, bei dem jeder Buchstabe kostet. Über Gefühle schreibe ich nicht. Ich setze ein Emoji. Lachen, Zwinkern, Wutschnauben, auch Herzen in den Augen, heulende Verzweiflung. Wie geht’s Dir? Antwort: Daumen nach oben. Es ist einfach. Es ist schnell. Ich muss nicht lange nachdenken.
Bei einem Brief ist das anders. Ich muss die Gedanken bis zu Ende denken, muss eine treffende Formulierung finden.
Man muss es aus den Zeilen herauslesen können, was ich fühle, wenn ich an den Menschen denke, dem ich schreibe. Ich muss mich konzentrieren. Auch etwas Muße gehört dazu, damit ich die passenden Worte finde.
Ich finde es schade, dass diese Kultur mehr und mehr verschwindet. Wie wunderbar es doch ist, einen persönlichen Brief zu bekommen. Manchmal sind Briefe kleine literarische Kunststücke. Nicht umsonst haben sie ihren festen Platz in der Literatur. Rilkes Briefe an einen jungen Dichter oder Kafkas Brief an den Vater. Ohne Briefe wäre die Literatur um vieles ärmer.
Auch das Christentum hätte sich ohne Briefe niemals so entwickelt. Die Hälfte des Neuen Testaments besteht aus Briefen. Sie sind die ältesten christlichen Schriften. Paulus hat die neu gegründeten Gemeinden durch Briefe gestärkt und begleitet. Er hat sich viel Zeit genommen, um ihnen verständlich zu machen, was der Glaube an Christus bedeutet: Welche Kraft davon ausgeht, welche Gemeinschaft im Glauben entsteht. Und am Ende jeden Briefes bekräftigt er seine Hoffnung und seine guten Wünsche für sie, so dass alle spüren können, wie sehr sie ihm am Herzen liegen. Wieder und wieder werden sie seine Briefe in ihren Gottesdiensten vorgelesen haben. So wie man selbst manchen Brief immer wieder gern zur Hand nimmt und liest. Ermutigung und Beistand, die wie im Fall der Paulusbriefe sogar die Jahrhunderte überdauern.

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