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Der gute Hirt
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Der gute Hirt

Beate Hirt
Ein Beitrag von

Beate Hirt,

Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr, Frankfurt

Ich heiße Hirt mit Nachnamen, und ich liebe diesen Namen. Nicht zuletzt wegen der Schafe. Das sind wunderbare Tiere, finde ich. Vor kurzem hab ich wieder einmal einer Schafsherde zusehen können. Diese Knäuel von Wolle, die vor sich hin grasen auf der Wiese. Und die Lämmer, die richtige Sprünge in die Luft machen! Ich hätte ewig zuschauen können. Als die Hirtin dazu kam, hat sie die Schafe nur mit ihrer Stimme in die richtige Richtung bewegt. Ich musste an die Bibel denken: „Meine Schafe hören auf meine Stimme.“ (vgl. Johannes 10,16) Jesus hat das gesagt, im Johannesevangelium. Vorgestern war diese Stelle im katholischen Gottesdienst zu hören, am so genannten „Hirten-Sonntag“. Ich gebe zu: Auch deswegen find ich meinen Namen Hirt schön: weil er biblisch und religiös so voller Bedeutung ist.

Psalm 23 zum Beispiel: Das ist wohl einer der bekanntesten biblischen Texte überhaupt. „Der Herr ist mein Hirt. Nichts wird mir fehlen.“ Es gibt immer noch ziemlich viele Menschen, die das auswendig können. Oder die den Psalm als Kind von ihrer Mutter vorgebetet bekamen. Es ist ein Text, der trösten und ermutigen kann: „Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil.“ „Denn du bist bei mir.“ Für mich ist das die schönste Botschaft dieses Gottes der Bibel: Er ist da, an meiner Seite. In meiner Nähe. Er passt auf mich auf. Wie der Hirt auf die Schafe.

Manchem gefällt dieses Bild vom Hirten auch nicht so gut. Sie finden es zu kitschig. Oder zu wenig selbstbestimmt. „Ich bin doch kein Schaf, das sich führen lassen muss, von Gott oder von irgendwelchen menschlichen Hirten.“ Das stimmt natürlich. Aber schon die Bibel meint mit dem Hirten eigentlich nichts Romantisches und auch nichts Autoritäres, ganz im Gegenteil. Der Hirte ist einer, der mit Stock und Stab seine Schafe verteidigt, gegen wilde Tiere etwa – wahrlich kein romantisches Leben. Und die Schafe sind nicht dafür da, ihm zu gehorchen, sie sind übrigens auch ziemlich kluge Tiere – und ihr Hirt ist dafür da, dass es den Schafen gut geht. Ein Hirte: Der stand in der Bibel für unbedingte Sorge und Fürsorge, auch für Hingabe.

Für mich ist das ein gutes Bild für Gott. Er ist für mich da, er sorgt für mich. Und etwas von diesem Hirten steckt auch in jedem Menschen. Nicht nur, wenn ich den Namen Hirt trage. Immer dann, wenn ich für andere Menschen Sorge trage und für sie da bin, als Mutter oder Vater, als Lehrerin, als Kollege oder Chefin. Als gute Hirtin oder guter Hirt.

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